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Astronomie: Fulminantes Kometenfinale



Er versprach am Milleniumshimmel zu erstrahlen. Doch am 22. Juli 2000, kurz vor dem sonnennächsten Punkt seiner Bahn, zerbrach der Komet Linear in viele Stücke. Mit bodengestützten Teleskopen und Raumsonden verfolgten Astronomen das finale Ereignis. Jetzt präsentierten sechs Teams die Ergebnisse ihrer Auswertung. Demnach hatte der Kometenkern einen Durchmesser zwischen 200 und 900 Metern. Offenbar war er homogen, denn seine bis zu 100 Meter dicken Bruchstücke stimmten chemisch überein. Doch statt als "schmutziger Schneeball", wie es die Kometenkundler erwarteten, erwies er sich als fliegender Geröllhaufen mit erstaunlich geringem Gehalt an Wassereis – schätzungsweise 0,25 Prozent. Trotzdem dürfte entweichender Wasserdampf den Kern gesprengt haben und nicht, wie zunächst vermutet, die explosionsartige Sublimation gefrorenen Kohlenmonoxids. Dessen Gehalt betrug mit weniger als 0,1 Promille nämlich lediglich einen winzigen Bruchteil der in anderen Kometen gemessenen Konzentrationen. Während diese vermutlich jenseits von Uranus entstanden, dürfte sich Linear zwischen Jupiter und Saturn gebildet haben. Dort ist es bereits so mild, dass sich Kohlenmonoxid nicht mehr als Eismantel auf Staubkörnchen niederschlägt. (Science, Bd. 292, S. 1326)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2001, Seite 26
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2001

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