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Soziale Ansteckung: Gähn!

Warum Menschen und fast alle Wirbeltiere zuweilen herzhaft den Mund aufreißen, wenn sie die Müdigkeit übermannt, ist Forschern noch immer ein Rätsel. Der Neurologe Adrian G. Guggisberg stellt die konkurrierenden Erklärungsansätze auf den Prüfstand.
DominoeffektLaden...
Meine Frau ist verstimmt. Beim gemeinsa­men Mahl nach einem langen Arbeitstag ist mir ein Gähnen über die Lippen gerutscht. Natürlich habe ich die Kiefer nicht angespannt, weil mich ihre Erzählungen gelangweilt hätten. Doch trotz meiner Beteuerungen ist sie nun beleidigt.
In der Tat gilt ein herzhaftes Gähnen in Gesellschaft als ausgesprochen unhöflich, und das vermutlich in allen menschlichen Kulturen. Ein ungläubiges Kichern ging daher durch die internationale Presse, als sich im Juni 2010 ein Grüppchen von Medizinern, Hirnforschern und Psychologen in Paris zum ersten internationalen Gähnkongress versammelte. Doch die Wissenschaftler trafen sich nicht, um sich gegenseitig die Gaumen zu präsentieren: Sie diskutierten vielmehr die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema.
Denn immer noch ist vieles an diesem Verhalten mysteriös – dabei ist es allgegenwärtig. So gähnen Föten im Mutterleib bereits ab der elften Schwangerschaftswoche ...
Mai 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Mai 2011

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  • Quellen
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Guggisberg, A. G. et al.: The Functional Relationship Between Yawning and Vigilance. In: Behavioural Brain Research 179, S. 159-166, 2007

Nahab, F. B. et al.: Contagious Yawning and the Frontal Lobe: An fMRI Study. In: Human Brain Mapping 30, S. 1744-1751, 2009

Platek, S. M. et al.: Contagious Yawning: The Role of Self-Awareness and Mental State Attribution. In: Cognitive Brain Research 17, S. 223-227, 2003

Provine, R. R.: Yawning as a Stereotyped Action Pattern and Releasing Stimulus. In: Ethology 72, S. 109-122, 1987

Provine, R. R., Hamernik, H. B.: Yawning: Effects of Stimulus Interest. In: Bulletin of the Psychonomic Society 24, S. 437-438, 1986

Shoup-Knox, M. L. et al.: Yawning and Stretching Predict Brain Temperature Changes in Rats: Support for the Thermoregulatory Hypothesis. In: Frontiers in Evolutionary Neuroscience 10.3389/fnevo.2010.00108, 2010