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ADHS: Gedanken auf Abwegen

Sie können sich schlecht konzentrieren, sind impulsiv, haben Probleme am Arbeitsplatz und in der Beziehung: Erwachsene mit ADHS. Die Psychiaterinnen Esther Sobanski und Barbara Alm vom Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit erläutern, wie sich die Störung im Alltag äußert und welche Behandlung Abhilfe schafft.
Meeting ADHSLaden...
Sie gelten als Zappelphilippe oder Unruhestifter, die ihre Eltern oft an den Rand der Verzweiflung treiben. Die betroffenen Kinder sind kaum fähig, still zu sitzen, zuzuhören oder sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren. Auch auf Torsten W. traf diese Beschreibung zu. Über die Verhaltensauffälligkeiten machte sich in seiner Kindheit allerdings keiner Gedanken. Dabei durchzieht das ganze Leben des heute 20-Jährigen eine Spur der Unruhe: Dass es wegen seiner impulsiven Art ständig Ärger mit den Lehrern gab, daran erinnert sich Thorsten. Und daran, dass keine Freundin seine Stimmungsschwankungen lange aushielt. Sogar mehrere Ausbildungen scheiterten.
Erst als ein Arzt bei dem jungen Mann eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostizierte, fand Thorsten endlich eine Erklärung für all die Misserfolge – und eine Ausgangsposition für den Neustart ins Leben: Mittlerweile arbeitet er in einem Beruf, der viel Bewegung und wenig Feinarbeit erfordert und weiß mit seinem unruhigen Temperament umzugehen.
Entgegen der weit verbreiteten Ansicht, ADHS sei eine Kinder- und Jugendkrankheit, besteht die Störung nicht selten auch im Erwachsenenalter fort. Etwa jeder dritte Patient kämpft ein Leben lang damit. Verschiedene internationale Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass bis zu viereinhalb Prozent der erwachsenen Bevölkerung ADHS haben – nicht selten begleitet von weiteren psychischen und sozialen Problemen: In manchen Fällen gehen Suchterkrankungen mit dem Leiden einher, und auch die Persönlichkeitsentwicklung der Betroffenen kann beeinträchtigt sein ...
Januar/Februar 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Januar/Februar 2010

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  • Quellen
Jans, T. et al.: Die Bedeutung des Vorliegens einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Müttern für die Behandlung ihrer Kinder mit ADHS; Überblick und Skizze des Studienprotokolls einer multizentrischen randomisierten kontrollierten Psychotherapiestudie. In: Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 36(5), S. 335-343, 2008.

Schlander, M.: Aktuelle Daten zur medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS in Deutschland - Administrative Prävalenz, beteiligte Arztgruppen und Arzneimitteltherapie. In: Psychoneuro 33(10), S. 412-415, 2007.

Schmidt-Troschke, S. O. et al.: Der Einsatz von Methylphenidat im Kindesalter. In: Gesundheitswesen 66, S. 387-392, 2004.

Sobanski, E. et al.: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung des Erwachsenenalters und Persönlichkeitsstörungen. In: Nervenheilkunde 1-2/2010 (im Druck).

Sobanski, E. et al.: Psychiatric Comorbidity and Functional Impairment in a Clinically Referred Sample of Adults with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder (ADHD). In: European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience 257(7), S. 371-377, 2007.