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MEDIZIN: Gehirn aus Knochenmark



Embryonale Stammzellen gelten als Alleskönner, da sie noch ihr gesamtes genetisches Programm abrufen und sich somit in alle Zelltypen entwickeln können. Doch zwei neue Arbeiten erhärten frühere Befunde, wonach sich auch so genannte pluripotente Stammzellen ausgewachsener Tiere, wie Knochenmarks- und Leberzellen, im Organismus je nach Umgebung in unterschiedliche Zelltypen ausdifferenzieren. Eva Mezey und ihre Kollegen vom nationalen Institut für neurologische Erkrankungen und Schlaganfall in Bethesda (Maryland) injizierten genetisch veränderten Mäusen, die keine weißen Blutkörperchen bilden konnten, mit Fluoreszenzfarbstoff markierte Knochenmarkszellen erwachsener Artgenossen. Vier Monaten nach der Behandlung fand das Team die fluoreszierenden Zellen in verschiedenen Regionen des Gehirns – unter anderem im Cortex und Hypothalamus. Zu ähnlichen Ergebnissen kam ein Team von Helen Blau von der Universität Stanford, das ebenfalls Knochenmark übertrug. Auch hier erreichten die injizierten Zellen das Gehirn und integrierten sich sowohl in der Großhirnrinde als auch in Riechkolben, Hippocampus und Kleinhirn. Dass die Zellen nicht nur ins Gehirn einwandern, sondern sich dort auch zu funktionsfähigen Nervenzellen entwickeln und Synapsen ausbilden, eröffnet aufregende neue Möglichkeiten, verloren gegangene Nervenzellen bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer zu ersetzen. (Science, Bd. 290, S. 1775 und 1779)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 2001, Seite 29
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
2 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 2 / 2001

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