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Gesundheitssystem: Geld regiert die Medizin

Wo große Summen umgesetzt werden, entsteht Anreiz für kriminelles Handeln. Aber wieso sollen gerade Ärzte die größten Kriminellen sein?

Frank Wittig ist Wissenschaftsjournalist beim Südwestrundfunk und beschäftigt sich seit Jahren mit Missständen in unserem Gesundheitssystem. Für seine Dokumentationen erhielt er zahlreiche Preise, darunter den Journalistenpreis des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) für das Feature "Betrifft: Überflüssige Operationen". Die evidenzbasierte Medizin (EbM) stützt ihre Therapieempfehlungen auf Metaanalysen mehrerer klinischer Studien, die untersucht haben, ob eine Therapie statistisch signifikante Vorteile für den Patienten bringt oder nicht. Ausschlaggebend sollen dabei die Zielgrößen "längeres Leben" oder "verbesserte Lebensqualität" sein.

Das Konzept der EbM ist vor allem ökonomisch sinnvoll; für Wittig allerdings scheint es das Maß aller Dinge zu sein. Wenn jedoch der Arzt einen konkreten Patienten vor sich hat, den er mit einem Stent an einer Engstelle in den Herzkranzgefäßen möglicherweise vor einem Herzinfarkt schützen kann, dann ist die Tatsache, dass klinische Studien einen Nutzen dieser Maßnahme im Allgemeinen statistisch nicht hinreichend belegen konnten, für ihn weit weg. Er orientiert sich an dem vorwiegend mechanistischen Menschenbild der heutigen Medizin und tut das, was er gelernt hat: Er versucht die Körperfunktionen wieder herzustellen und weiteren Schaden abzuwenden – logisch nachvollziehbar und überzeugend. Dagegen unterstellt Wittig Kardiologen ...

Juni 2013

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Juni 2013

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