Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Evolution: Gemeinsam sind wir Mensch

Im Lauf der Stammesgeschichte eroberte Homo sapiens nahezu alle Klima­zonen der Erde. Die Erfolgsstory unserer Spezies begann jedoch erst so richtig, als der Mensch sesshaft wurde. Vielleicht war die abstrakte Intelligenz unserer Vorfahren dabei weniger entscheidend als vielmehr ihr Sinn für Gemeinschaft.
Epochale Knochen

Angenommen, wir könnten mit einer Zeitmaschine eine halbe Million Jahre in die Vergangenheit reisen, um unsere Vorfahren in der ostafrikanischen Savanne zu besuchen. Was würden wir zu Gesicht bekommen? Die Tierwelt sähe ähnlich aus wie heute: Gnus, Gazellen, ­Giraffen und andere Huftiere ziehen über die grasbewachsenen Ebenen, ebenso wie Löwen, Geparden und andere Raubtiere auf der Suche nach Beute. Schließlich würden wir auf kleine Horden der Menschenart Homo erectus stoßen.
Die flinken Zweibeiner sammeln essbare Früchte, Pflanzen und Wurzeln und jagen gemeinsam. Sie verfolgen komplexe Strategien, um Beute zu machen, und beherrschen vielleicht eine rudimentäre Sprache. Sie agieren als Rudeljäger mit einer bemerkenswerten, im Tierreich fast einmaligen Ausdauer bei hohen Tages­temperaturen. Ihre Füße sind sowohl an Gehen als auch an schnelles Laufen hervorragend angepasst. Sie suchen gezielt gesunde, erwachsene Tiere aus, die viel Fleisch versprechen, separieren sie von der Herde, hetzen und er­legen sie. Dabei können sie Steine und Speere mit großer Wucht und Genauigkeit werfen. Die Frühmenschen erweisen sich somit auch als wehrhaft genug, um Hyänen, Geier und Löwen auf Abstand zu halten, während sie ihrer Beute das Fleisch von den Knochen schneiden.
Mit seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten hatte Homo erectus eine bisher unbe­setzte ökologische Nische eingenommen und sich überall in Afrika, Europa und Asien verbreitet ...

Kennen Sie schon …

Spektrum - Die Woche – 42/2021

Einerseits profitieren Männer von traditionellen Geschlechterrollen, andererseits fördern diese psychische Probleme bei ihnen. Wie sich die Männlichkeit verändert, besprechen wir in dieser Ausgabe. Weitere Themen sind die Rechenkünste der Neandertaler und rettendes Vulkangestein.

Spektrum Geschichte – Die Ersten in Amerika

Trotz harscher Bedingungen wanderten Menschen vor mehr als 20.000 Jahren von Sibirien gen Amerika. Wie die Erstankömmlinge die Beringstraße überquerten, ist umstritten.

Spektrum Kompakt – Humanevolution – Die Entstehung des modernen Menschen

Wie hat sich Homo sapiens entwickelt – und wie haben Neandertaler und Denisova-Menschen unsere Evolution beeinflusst?

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen und Literaturtipps

Literaturtipps

Grüter, T.: Klüger als wir? Auf dem Weg zur Hyperintelligenz. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011
Thomas Grüter über Stra­tegien zur Intelligenz­steigerung

Jahn, A. (Hg.): Wie das Denken erwachte. Die Evolution des menschlichen Geistes. Schattauer, Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Heidelberg 2012
Die wichtigsten G&G-Beiträge über die Evolution des Menschen


Quellen

Behringer, W.: Die Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung. C.H. Beck, München 2008

Boyd, R. et al.: The Cultural Niche: Why Social Learning Is Essential for Human Adaptation. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 108, S. 10918-10925, 2011

Bramble, D. M., Lieberman, D. E.: Endurance Running and the Evolution of Homo. In: Nature 432, S. 345-352, 2004

Byrne, R. W.: Machiavellian Intelligence. In: Evolutionary Anthropology 5, S. 172-180, 1996

Cochran, G., Harpending, H.: The 10,000 Year Explosion. How Civilization Accelerated Human Evolution. Basic Books, New York 2009

Dean, L. G. et al.: Identification of the Social and Cognitive Processes Underlying Human Cumulative Culture. In: Science 335, S. 1114-1118, 2012

Dunbar, R. I. M.: Neocortex Size as a Constraint on Group Size in Primates. In: Journal of Human Evolution 22, S. 469-493, 1992

Dunbar, R. I. M., Shultz, S.: Evolution in the Social Brain. In: Science 317, 1344-1347, 2007

Green, E. R. et al.: A Draft Sequence of the Neandertal Genome. In: Science 328, S. 710-722, 2010

Hill, K. R. et al.: Co-Residence Patterns in Hunter-Gatherer Societies Show Unique Human Social Structure. In: Science 331, S. 1286-1289, 2011

Lyons, D. E. et al.: The Hidden Structure of Overimitation. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 104, S. 19751-19756, 2007

Pinker, S.: The Cognitive Niche: Coevolution of Intelligence, Sociality, and Language. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 107, S. 8993-8999, 2010

Shackelford, T. K. et al.: Universal Dimensions of Human Mate Preferences. In: Personality and Individual Differences 39, S. 447-458, 2005