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Serie "Die großen G&G-Themen" Teil 6: Gene, Geist und Gehirn

Welche Rolle spielt das Erbgut für die geistigen Fähigkeiten und das seelische Gleichgewicht des Menschen? Die Psychogenetik versucht, diese Frage zu beantworten.
Lebensleiter

"Wir möchten eine Struktur für das Salz der Desoxyribonukleinsäure (DNA) vorschlagen. Diese Struktur besitzt neuartige ­Eigenschaften, die von beträchtlichem biologi­schem Interesse sind."
Mit diesen schlichten Worten begann ein kurzer Fachartikel, der 1953 in der Zeitschrift "Nature" erschien. Und das "beträchtliche biologische Interesse" war noch weit untertrieben. Denn die Idee vom räumlichen Aufbau des Erbmoleküls DNA, die der amerikanische Zoologe James Watson und der britische Physiker Francis Crick damals präsentierten – und für die sie 1962 den Medizinnobelpreis erhielten –, lieferte den lange gesuchten Schlüssel für das Wunder der Vererbung. In lediglich vier Buchstaben schreibt die Natur das Rezept des Lebens nieder: den DNA-Bausteinen A (Adenin), C (Cytosin), G (Guanin) und T (Thymin).
Die Strukturaufklärung der DNA löste eine Revolution in der genetischen Forschung aus. Um eine alte Streitfrage wird allerdings weiterhin heftig gerungen: Gene oder Umwelt – was prägt den Menschen mehr? Bei vielen körperlichen Eigenschaften wie der Augenfarbe dürfte klar sein, dass sie von unserem Erbgut bestimmt werden. Andererseits scheint das Körpergewicht vermeintlich nur davon abzuhängen, was und wie viel wir täglich zu uns nehmen, wäre demnach also umweltbedingt.
Und wie sieht es mit unseren geistigen Fähig­keiten aus? Ist unsere Persönlichkeit in einem Kode, bestehend aus den vier Bausteinen eines schraubenförmigen Moleküls, niedergelegt? Das erscheint schwer vorstellbar. Die alltägliche Erfahrung bestätigt zwar, dass sich bestimmte Charaktereigenschaften in Familien häufen; dies könnte jedoch genauso gut auf die Erziehung zurückzuführen sein. Und selbst wenn die Gene unser Denken und Verhalten prägen sollten, bleibt die Frage, wie sie das tun.
Dass die Erbanlagen tatsächlich kräftig in ­unserem Seelenleben mitmischen, konnten Wissenschaftler aus aller Welt inzwischen mehrfach belegen. So hat sich mittlerweile ein Forschungszweig mit dem Namen "Psychogenetik" etabliert ...

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  • Quellen

Canli, T. et al.:Neural Correlates of Epigenesis. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 103, S. 16033-16038, 2006

Caspi, A. et al.:Role of Genotype in the Cycle of Violence in Maltreated Children. In: Science 297, S. 851-854, 2002

Caspi, A. et al.:Influence of Life Stress on Depression: Moderation by a Polymorphism in the 5-HTT Gene. In: Science 301, S. 386-389, 2003

Dick, D. M. et al.:CHRM2, Parental Monitoring, and Adolescent Externalizing Behavior: Evidence for Gene-Environment Interaction. In: Psychological Science 22, S. 481-489, 2011

Epel, E. S. et al.:Accelerated Telomere Shortening in Response to Life Stress. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 101, S. 17312-17315, 2004

Hariri, A. R. et al.:Serotonin Transporter Genetic Variation and the Response of the Human Amygdala. In: Science 297, S. 400-403, 2002

Lesch, K.-P. et al.:Association of Anxiety-Related Traits with a Polymorphism in the Serotonin Transporter Gene Regulatory Region. In: Science 274, S. 1527-1531, 1996

McGowan, P. O. et al:Epigenetic Regulation of the Glucocorticoid Receptor in Human Brain Associates with Childhood Abuse. In: Nature Neuroscience 12, S. 342-348, 2009

Shalev, I. et al.:Exposure to Violence during Childhood Is Associated with Telomere Erosion from 5 to 10 Years of Age: a Longitudinal Study. In: Molecular Psychiatry 10.1038/mp.2012.32, 2012

Watson, J. D., Crick, F. H. C.:Molecular Structure of Nucleic Acids: A Structure for Deoxyribose Nucleic Acid. In: Nature 171, S. 737-738, 1953

Weaver, I. C. G. et al.:Epigenetic Programming by Maternal Behavior. In: Nature Neuroscience 7, S. 847-854, 2004

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