Direkt zum Inhalt

Geschlechterunterschiede : Was hat sie, was er nicht hat?

Etliche Befunde der Hirnforschung scheinen zu belegen, dass Vorlieben und Fähigkeiten zwischen den Geschlechtern unterschiedlich verteilt sind. Doch dahinter stecken manchmal methodische Mängel.
Gehirne UnterschiedeLaden...

Es war eine aufwändige Untersuchung. Fast 1000 Versuchspersonen schob die Arbeitsgruppe um den Neurowissenschaftler Madhura Ingalhalikar von der University of Pennsylvania in Philadelphia in den Hirnscanner, um mit Hilfe der so genannten Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) den Verlauf der Nervenfasern im Gehirn zu erkunden. Wie sich herausstellte, waren bei Frauen die beiden Hirnhälften im Schnitt stärker miteinander verknüpft, während Männer eine engere Vernetzung innerhalb der Hemisphären aufwiesen.

Der betreffende Fachartikel erschien 2014 in den renommierten "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA. Viele Forscherkollegen äußerten sich anerkennend, nur vereinzelt wurden methodische Mängel beklagt. So fehlten in der Arbeit etwa Angaben zur Effektstärke, ein statistisches Maß für die Größe eines entdeckten Gruppenunterschieds.

Fast alle großen Medien stürzten sich auf diese Studie. Viele Meldungen gingen allerdings noch weit über den eigentlichen Befund hinaus und erfanden Geschlechterunterschiede bei diversen kognitiven Fähigkeiten, die in der Studie gar nicht erfasst worden waren. "Das Frauenhirn tickt wirklich anders", titelte etwa die Onlineausgabe der "Welt" – und wertete die Untersuchung als einen schlagenden Beleg dafür, dass Männer tatsächlich besser einparken können und Frauen einfühlsamer sind ...

12/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2015

Kennen Sie schon …

16/2019

Spektrum - Die Woche – 16/2019

In dieser Ausgabe widmen wir uns dem Insektensterben, 5G und einer Bluthochzeit.

Aufmerksamkeit und Konzentration

Spektrum Kompakt – Aufmerksamkeit und Konzentration

Konzentriert an einer Aufgabe arbeiten, die gesamte Aufmerksamkeit auf etwas lenken - was geschieht dabei eigentlich in unserem Gehirn? Warum fällt das Menschen unterschiedlich schwer? Und warum beherrschen manche Multitasking so viel besser als andere?

10/2019

Spektrum - Die Woche – 10/2019

In dieser Ausgabe widmen wir uns Planet 9, dem Mikrobiom und der Landwirtschaft.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Beery, A. et al.: Sex bias in neuroscience and biomedical research. In: Neuroscience & Biobehavioral Reviews 35, S. 565-572, 2011

Cahill, L.: Equal ≠ the same: sex differences in the human brain. In: Cerebrum, April 2014

Cahill, L.: Why sex matters for neuroscience. In: Nature Reviews Neuroscience 7, S. 477-484, 2006

Dar-Nimrod, I. et al.: Exposure to scientific theories affects women's math performance. In: Science 314, S. 435-435, 2006

Fine, C.: Is there neurosexism in functional neuroimaging investigations of sex differences? In: Neuroethics 6, S. 369-409, 2013

Fitsch, H.: ... Dem Gehirn beim Denken zusehen? Sicht- und Sagbarkeiten in der funktionellen Magnetresonanztomographie. Transcript, Bielefeld 2014

Haier, R. et al.: MRI assessment of cortical thickness and functional activity changes in adolescent girls following three months of practice on a visual-spatial task. In: BMC research notes 2, 2009

Ingalhalikar, M. et al.: Sex differences in the structural connectome of the human brain. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 111, S. 823-828, 2014

Kaiser, A. et al.: On females' lateral and males' bilateral activation during language production: a fMRI study. In: International Journal of Psychophysiology 63, S. 192-198, 2007

O’Connor, C. et al.: Gender on the brain: a case study of science communication in the new media environment. In: PLoS One 9, e110830, 2014

Rippon, G. et al.: Recommendations for sex/gender neuroimaging research: key principles and implications for research design, analysis, and interpretation. In: Frontiers in Human Neuroscience 8, S. 650, 2014

Ruigrok, A. et al.: A meta-analysis of sex differences in human brain structure. In: Neuroscience & Biobehavioral Reviews 39, S. 34-50, 2014

Wagner, W. et al.: How the sperm dominates the ovum - Objectification by metaphor in the social representation of conception. In: European Journal of Social Psychology 25, S. 671-688, 1995