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Antisoziale Persönlichkeit

"Gewalttaten lassen sich nicht verlässlich vorhersagen"

Aus einem Hirnscan auf das Rückfallrisiko eines Täters schließen zu können - das hält der Psychiater Henning Saß vom Universitäts­klinikum Aachen für eine "naive Hoffnung". Entscheidend sei nicht die Biologie, sondern wie sie sich auf das Erleben und Verhalten des Einzelnen auswirkt.
Henning Saß
Herr Professor Saß, wie hängen Kriminalität und antisoziale Persönlichkeitsstörung zusammen?
Die Störung ist gerade dadurch definiert, dass sich die Betroffenen nicht an soziale Normen und Gesetze halten. Entsprechend begehen ­nahezu alle Antisozialen kleinere oder größere Delikte. Aber nicht jeder Kriminelle erfüllt die Kriterien einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Unter Straftätern liegt der Anteil bei etwa 25 bis 30 Prozent, in der Gesamtbevöl­kerung bei rund drei Prozent; je nach Land schwanken die Zahlen.
Inwieweit lässt sich anhand der Diagnose vorhersagen, ob jemand kriminell wird?
Prognosen sind immer Wahrscheinlichkeitsaussagen. Im Einzelfall lässt sich also nicht mit Sicherheit vorhersagen, ob jemand ein Verbrechen begehen wird. Zwar hat fast jeder mit dieser Diagnose schon mehrfach das Gesetz gebrochen, und die psychiatrische Erfahrung lehrt, dass in einem solchen Fall häufig mit Wiederholung zu rechnen ist. Aber ab und zu kommt es auch vor, dass Menschen über viele Jahre alle möglichen Straftaten begehen und dann plötzlich damit aufhören …
Juli/August 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Juli/August 2009

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  • Quellen
Herpertz, S. C., Saß, H.: Persönlichkeitsstörungen. Thieme, Stuttgart 2002.
Umfassendes Lehrbuch

Saß, H.: Willensfreiheit, Schuld­fähigkeit und Neurowissenschaften. In: Zeitschrift für forensische Psychiatrie, Psychologie und Kriminologie 1(4), S. 237-240, 2007.

Von Schönfeld, C.-E. et al.: Prävalenz psychischer Störungen, Psychopathologie und Behandlungsbedarf bei weiblichen und männlichen Gefangenen. In: Der Nervenarzt 77(7), S. 830-841, 2006

Yang, Y. et al.: Brain Abnormalities in Antisocial Individuals: Implications for the Law. In: Behavioral Sciences and the Law 26(1), S. 65-83, 2008.