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Blickfang: Gewundenes Erbe der Vorfahren

Optisch erinnert das Gehirn an eine riesige Walnuss, vor allem wegen der charakteristischen Windungen und Furchen der äußeren Rinde, auch Kortex genannt. Diese sind – ähnlich wie Fingerabdrücke – bei jedem Menschen einzigartig. Einer aktuellen MRT-Studie zufolge geben sie außerdem ein verblüffendes Geheimnis preis: die Herkunft der eigenen Vorfahren.

Das berichten Wissenschaftler der University of California in San Diego, die die Oberflächen­furchungen, die Gyri und Sulci, von mehr als 500 Jugendlichen mit deren Erbgut abglichen. Abgeflachte frontale und okzipitale Wölbungen ließen sich etwa bei Versuchspersonen finden, deren Ahnen größtenteils aus der Urbevölkerung Nordamerikas stammen. Andere Muster wiederum wiesen auf genetische Wurzeln in Westafrika, Ostasien beziehungsweise Europa hin.

Die Abbildungen zeigen die "kortikalen Prototypen" bei hundertprozentiger Abstammung aus diesen vier Erdteilen. Die farbigen Linien zeichnen nicht nur die dreidimensionale Kontur der Großhirnrinde verschiedener Bevölkerungsgruppen nach, sondern lassen auch erkennen, in welche räumliche Dimension (longitudinal, sagittal oder transversal) die Scheitelpunkte der Krümmungen jeweils verschoben sind.

Einen Zusammenhang zwischen der Abstammungslinie und den kognitiven Fähigkeiten der Probanden gibt es jedoch nicht. Die Art der Furchung hat also nichts mit der Intelligenz zu tun.

Fan, C. C. et al.: Modeling the 3D Geometry of the Cortical Surface with Genetic Ancestry. In: Curr. Biol. 25, S. 1988–1992, 2015

11/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2015

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