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Serie "Die großen G&G-Themen" Teil 7: Glaube und Gehirn

Als Forscher begannen, nach den neuronalen Wurzeln der Religiosität zu fahnden, knüpften sich daran große Erwartungen: Die einen hofften, Gott endlich als bloßes Hirngespinst entlarven zu können; die anderen wollten verlässliche Hinweise auf seine Existenz finden. Was ist daraus geworden? Eine Rückschau auf drei Jahrzehnte Neurotheologie.
Fest verankertLaden...

Anfang der 1980er Jahre wurde der kanadische Neurowissenschaftler Michael Persinger mit dem so genannten Gotteshelm zu einem Medienereignis. Acht darin montierte Magnetspulen schickten über eine halbe Stunde hinweg schwache Magnetwellen durch die Schädeldecke von Probanden, was vor allem deren Schläfen- und Scheitellappen in vermehrte Aktivität versetzte. Bis zu 80 Prozent der Teilnehmer berichteten daraufhin von außersinnlichen Erfahrungen. Triumphierend verkündete Persinger, das Rätsel der Religion gelöst zu haben: Eine Art Mikro-Epilepsieanfälle, denen auch seine Testpersonen durch den Elektrodenhelm ausgesetzt waren, würden spirituelle Eindrücke hervorrufen.
Andere Neuroforscher zogen nach und wiesen darauf hin, dass sich die oft dramatischen Offenbarungserfahrungen vieler religiöser Verkünder wie etwa des biblischen Paulus durchaus als Epilepsieanfälle deuten ließen. Schon Hippokrates hatte die damals so genannte Fallsucht als "heilige Krankheit" bezeichnet. Der US- amerikanische Neuropsychologe Vilayanur Ramachandran prägte schließlich den Begriff des durch Epilepsie angeregten "Gottesmoduls" im Gehirn – und fragte ketzerisch, ob ein Heraus­operieren desselben den religiösen Glauben tilgen würde: eine "Gott-Ektomie" sozusagen.
Bis heute kursieren solche eingängigen Schlag­­wörter in den Sensationsberichten der Presse ...

September 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist September 2012

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  • Quellen und Literaturtipp

Literaturtipp

Vaas, R., Blume, M.: Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt - Die Evolution der Religiosität. Hirzel, Stuttgart, 2., korrigierte Auflage 2009
Fundierter Überblick zur Neurotheologie und ihren Nachbardisziplinen


Quellen

Azari, N. P. et al: Neural Correlates of Religious Experience. In: European Journal of Neuroscience 13, S. 1649-1652, 2001

Granqvist, P. et al.: Sensed Presence and Mystical experiences are Predicted by Suggestibility, not by the Application of Weak Complex Transcranial Magnetic Fields. In: Neuroscience Letters 379, S. 1-6, 2005

Newberg, A. et al.: Cerebral Blood Flow During Meditative Prayer: Preliminary Findings and Methodological Issues. In: Perceptual and Motor Skills 97, S. 625–630, 2003

Norenzayan, A. et al.: Mentalizing Deficits Constrain Belief in a Personal God. In: PLoS One 7, e36880, 2012

Persinger, M. A.: Religious and Mystical Experiences as Artefacts of Temporal Lobe Function: a General Hypothesis. In: Perceptual and Motor Skills 57, S. 1255–1262, 1983