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Archäologie: Gnadenloser Kampf zweier Maya-Supermächte



Für die Archäologen war der Sturm ein Geschenk des Himmels – er legte im Urwald von Guatemala eine Treppe mit Inschriften frei, die über bisher unbekannte Ereignisse aus einem 60-jährigen Abschnitt der Maya-Geschichte berichten. Zugleich wecken die Hieroglyphen auf den Stufen der Pyramide bei Dos Pilas Zweifel am derzeitigen Bild der mittelamerikanischen Hochkultur: Nicht viele unabhängige Kleinstaaten rivalisierten miteinander, sondern zwei Supermächte standen sich unversöhnlich gegenüber und verlangten von ihren Vasallen unbedingte Gefolgschaft. Dos Pilas war ein solcher Marionettenstaat, dessen König Balaj Chan K’awiil zunächst mit der Großmacht Tikal paktierte, über die sein Bruder herrschte. Nachdem K’awiil von dem konkurrierenden Machtzentrum Calakmul besiegt worden war, wechselte er jedoch das Lager und begann einen Krieg gegen seinen Bruder, den er nach einem Jahrzehnt erfolgreich beendete – mit einem blutigen Triumphfest, bei dem er die abgeschlagenen Köpfe der Besiegten zur Schau stellte. Laut Federico Fahsen von der Vanderbilt University in Nashville (Tennessee), der die Inschriften übersetzte, war dieser Bruderkrieg von den Supermächten erzwungen. Deren Dauerstreit könnte auch den bislang rätselhaften Untergang der Mayakultur erklären. (National Geographic 10/2002, S. 8)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 2002, Seite 44
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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