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Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren: Großforschungseinrichtungen mit neuer Strategie

Kooperation und Wettbewerb sollen die Helmholtz-Zentren effektiver machen. Für den Teilbereich der Gesundheitsforschung zeichnet sich eine neue Organisation ab.


Die Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) ist die größte Wissenschaftsorganisation in Deutschland. Rund 24000 Mitarbeiter in 15 Einrichtungen erforschen Themen von nationalem und gesellschaftlichem Interesse: Gesundheit, Erde und Umwelt, Energie, Weltraum und Verkehr, Struktur der Materie sowie mehrere Schlüsseltechnologien.

Die früher als Großforschungszentren bekannten Einrichtungen waren bisher nur locker in der HGF verbunden. Selbstverständnis, Finanzierung und politische Steuerung blieben auf die einzelnen Zentren konzentriert. So bemängelte denn auch der Wissenschaftsrat, das Potenzial der HGF werde bei weitem nicht ausgenutzt (siehe Spektrum der Wissenschaft, 1/2001, S. 96).

Das soll nun anders werden. Unter dem Motto "Die Stärke konzertierter Forschung" zwingt eine strategische Neuorientierung die Zentren zum Wettbewerb und zur fachlichen Kooperation. Die staatlichen Mittel werden künftig nicht mehr jedem Zentrum einzeln, sondern pauschal der HGF bewilligt, die seit kurzem als eingetragener Verein firmiert. Die "Zuwendungsgeber" (Bund und beteiligte Länder) legen nur noch die Struktur der Forschungsbereiche, zeitliche Budgetrahmen und Bewertungskriterien sowie allgemeine Ziele fest.

Streitpunkt Programmsteuerung

Es bleibt so den Zentren vorbehalten, die Fachprogramme auszuarbeiten. Der HGF-Senat und externe Experten bewerten sie und geben Empfehlungen an den neuen Ausschuss der Zuwendungsgeber, der die Mittel dann den Zentren zuweist. Das Management dieses Prozesses liegt bei dem neuen Präsidenten der HGF e.V., Walter Kröll. Der Physiker leitete zuvor das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und war bereits von 1991 bis 1993 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen, der Vorgänger-Organisation der HGF.

Viele Wissenschaftler innerhalb der HGF hatten sich deutlich gegen eine zentralisierende Programmförderung ausgesprochen: Sie fürchteten um ihre Autonomie. Dabei übersahen sie freilich, dass Bund und Länder nicht mehr in jedes einzelne Zentrum steuernd eingreifen dürfen. Vielmehr werde sich der Ausschuss der Zuwendungsgeber auf globale Vorgaben beschränken, versicherte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn. Allerdings musste ihr Ministerium in einem Punkt nachgeben: Grundlagenforschung bleibt weiterhin eine wichtige Aufgabe der HGF-Zentren.

Die HGF wird auch in der Öffentlichkeit mehr von sich reden machen. Dazu muss die Bonner Geschäftsstelle neue Kommunikationsstrategien entwickeln. Bisher war die Öffentlichkeitsarbeit den einzelnen Zentren vorbehalten. Zudem sieht Kröll in der europäischen Kooperation ein "prägendes Strukturelement" der neuen HGF: "Wir wollen die Helmholtz-Gemeinschaft zu einem tragenden Pfeiler des europäischen Forschungsraumes und einem weltweit anerkannten Markenzeichen machen."

Eine besondere Rolle werden künftig jene Helmholtz-Zentren spielen, die sich der Gesundheitsforschung widmen. Der Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, Harald zur Hausen, hatte schon früher vorgeschlagen, die biomedizinischen Forschungseinrichtungen der HGF mit denen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz zu einer selbstständigen nationalen Organisation zusammenzufassen (siehe Spektrum der Wissenschaft 5/2001, S. 94). Diese Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZG) sollten den amerikanischen National Institutes of Health entsprechen. Der Vermutung, mit der Neuordnung der HGF sei dieser Gedanke jetzt vom Tisch, widersprachen sowohl Bulmahn als auch Kröll: Es sei "erklärtes Ziel" der HGF, für die Gesundheitsforschung neue Organisationsstrukturen zu finden.

Das Ergebnis könnte freilich eine von der HGF losgelöste Organisation sein. Im Rahmen der bisherigen Verbundstrukturen innerhalb der HGF jedenfalls seien fachliche Koordination und einheitliche Bewertungskontrolle nicht zu leisten, meint zur Hausen. Die DZG sollen sich auf Kernaufgaben konzentrieren und Doppelforschung vermeiden, Forschungsziele von besonders hoher Komplexität interdisziplinär und langfristig bearbeiten, über einen Vernetzungsfonds Querschnittsthemen kooperativ bearbeiten und eng an universitäre Institute, besonders Kliniken, angebunden sein. Damit erhalte Gesundheitsforschung ein einheitliches Profil.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 4 / 2002, Seite 100
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
4 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 4 / 2002

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