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Chemie: Guter Ton für Gen-Taxis



Bei der Gentherapie dienen meist Viren als Transportmittel, da sie ihr Erbmaterial mühelos durch die Zellmembran schleusen können. Allerdings rufen sie gelegentlich gefährliche Nebenwirkungen hervor, die diese Behandlungsform in Verruf gebracht haben. Nun hat das Team um Jin-Ho Choy von der Universität Seoul einen völlig neuen und ungefährlichen Weg entdeckt, auf dem sich das Erbmolekül DNA (Desoxyribonukleinsäure) in die Zielzelle einbringen lässt. Die Chemiker benutzten eine anorganische Verbindung aus Magnesium-Aluminium-Hydroxid als Genfähre. Es handelt sich um ein schichtartig aufgebautes Tonmineral. Zwischen zwei Lagen befindet sich jeweils ein Zwischenraum, der mit negativ geladenen Ionen gefüllt ist. Diese können durch ebenso geladene DNA-Moleküle ersetzt werden, wobei sich der Abstand der beiden Schichten an die Größe der eingelagerten Moleküle anpasst. Gut abgeschirmt, kann das Gen dann die Membran passieren. Innerhalb der Zelle wird die Fähre anschließend von so genannten Lysosomen verschluckt, deren Aufgabe es unter anderem ist, eingedrungene Fremdstoffe unschädlich zu machen. Im sauren Milieu dieser Organellen löst sich das Transportmittel auf und gibt das Gen frei. (Angewandte Chemie, Bd. 112, S. 4042)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2001, Seite 31
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2001

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