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Geologie: Heiße Brutstätten des Lebens



Vor knapp drei Jahren wurde im Atlantik ein Feld von Heißwasser-Schloten entdeckt und auf den Namen Lost City ("verschwundene Stadt") getauft. Nun haben Forscher die Kalksteinformation genauer untersucht. Die bis zu sechzig Meter hohen Röhren entstanden nicht vulkanisch, sondern durch chemische Reaktionen. In der Nähe von mittelozeanischen Rückensystemen, an denen aufsteigendes Magma frische Erdkruste bildet, können auch Peridotite, Gesteine des Erdmantels, bis dicht unter den Meeresboden gelangen. Wenn sie dort mit versickertem Meerwasser reagieren, wandelt sich Olivin in Serpentin um. Dabei wird Wärme frei und erzeugt Temperaturen bis 75°C. Das erhitzte Wasser steigt auf und löst weitere Mineralien aus dem Untergrund. Einige davon – wie Carbonate – fallen in kaltem Wasser wieder aus und türmen sich so mit der Zeit als Schlote um die Austrittsöffnung. In Lost City siedelt eine spezialisierte Lebensgemeinschaft, an deren Basis Bakterien stehen, die von den ausgeschwemmten Mineralien leben. Die ältesten Schlote sind schon seit 30000 Jahren aktiv und könnten es noch mehrere Jahrmillionen bleiben. Vermutlich waren solche Hydrothermalquellen in frühen Erdzeitaltern weit verbreitet. Ihr stabiles, relativ lebensfreundliches Klima könnte die Entwicklung von ersten Lebensformen begünstigt haben. (Science, 25.7.2003, S. 495)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003, Seite 11
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
10 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003

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