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Sprache und Motorik: Heute schon mit der Hand geschrieben?

Weil der Computer unseren Alltag beherrscht, greifen wir immer seltener zu Stift und Papier. Schade eigentlich. Denn handschriftliche Notizen beflügeln oft das Gedächtnis und die Kreativität, erklären Forscher.
Heute schon mit der Hand geschrieben?

Und – tun Sie's noch? Mit der Hand schreiben, meine ich? Der Tagesablauf vieler Menschen ist stark von der Arbeit am Computer und vom Schreiben mit einer Tastatur geprägt. Und doch machen Schüler ihre ersten Schreiberfahrungen bis heute mit Bleistift oder Füller. Ist das überhaupt noch zeitgemäß? Unsere Gedanken können wir heute ja genauso gut auf andere Weise niederschreiben – mit einer Tastatur oder gar per Spracherkennung des Computers. Selbst unsere Unterschrift, einst der Identitätsnachweis schlechthin, hat längst digitale Konkurrenz durch PIN-Kodes und Fingerabdrücke bekommen.
Sowohl US-amerikanische als auch deutsche Schulen haben diese Entwicklungen erkannt. In einigen Grundschulen in Hamburg und im Rhein­land steht die Schreibschrift mittlerweile nicht mehr auf dem Lehrplan. Die Schüler pauken das Abc hier von vornherein so, wie sie es auch in Zeitungen oder auf dem Bildschirm sehen: in schnörkellosen und unverbundenen Druckbuchstaben.
Laut den Befürwortern des Projekts erleichtert es den Schülern das Schreibenlernen; gleichzeitig erhöhe es auch die Leserlichkeit ihres Schriftbilds. Wissenschaftlich abgesichert sind diese Behauptungen allerdings nicht. Ein praktischer Nachteil liegt dagegen auf der Hand: Die geschwungen verbundenen Buchstaben der älteren Generation sind für diese Schüler nur noch schwer zu entziffern. Die Tafelbilder von manchem Gymnasiallehrer dürften für sie verschnörkelten Hieroglyphen gleichen …

11/2012

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2012

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  • Quellen

Berninger, V. W. et al.: Comparison of Pen and Keyboard Transcription Modes in Children with and without Learning Disabilities Affecting Transcription. In: Learning Disability Quarterly 32, S. 123-141, 2009

Connelly, V. et al.: A Comparison of Keyboarded and Handwritten Compositions and the Relationship with Transcription Speed. In: British Journal of Educational Psychology 77, S. 479-492, 2007

Jasmin, K., Casasanto, D.: The QWERTY Effect: How Typing Shapes the Meanings of Words. In: Psychonomic Bulletin and Review 10.3758/s13423-012-0229-7, 2012

Longcamp, M. et al.: The Influence of Writing Practice on Letter Recognition in Preschool Children: a Comparison between Handwriting and Typing. In: Acta Psychologica 119, S. 67-79, 2005

Longcamp, M. et al.: Learning through Hand- or Typewriting Influences Visual Recognition of New Graphic Shapes: Behavioral and Functional Imaging Evidence. In: Journal of Cognitive Neuroscience 20, S. 802-815, 2008

Sülzenbrück, S. et al.: The Death of Handwriting: Secondary Effects of Frequent Computer Use on Basic Motor Skills. In: Journal of Motor Behavior 43, S. 247-251, 2011