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Wissensvermittlung: 'Hingehen – staunen – entdecken'

Unter diesem Motto bietet das Universum Science Center Bremen auf spielerische Weise Wissen, Information und Spaß.


Schon die äußere Form des Gebäudes macht neugierig. Wie ein riesiger Wal oder eine gigantische Muschel ragt das Universum Science Center aus einem See auf dem Gelände der Universität Bremen. Die Neugier wird auch im Inneren geweckt – und vor allem befriedigt. Auf spielerische Weise wird hier ein Zugang zu komplexen Themen der Wissenschaft vermittelt.

Die besondere Ausstellungskonzeption macht aus Besuchern Akteure: Durch ihre Beteiligung auf spielerische und unterhaltsame Weise erarbeiten sie verständliche und nachvollziehbare Informationen zu wesentlichen Gegenwarts- und Zukunftsthemen der Gesellschaft und verschaffen sich faszinierende Einblicke in naturwissenschaftliche Phänomene. Das Science Center will nicht belehren, sondern vor allem Spaß machen. Es soll zunächst das Interesse für wissenschaftliche Zusammenhänge geweckt werden. Ergeben sich aus dem Erleben heraus Fragen, so können diese mit Hilfe von Computerprogrammen beantwortet werden. Dieses Konzept erlaubt es, zwischen Wissenschaft und Kunst sowie zwischen Information und Unterhaltung zu vermitteln.

Auf etwa 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gelangen die Besucher in den drei Expeditionen "Kosmos", "Mensch" und "Erde" in gänzlich unterschiedliche Erlebnisräume. Deren Inszenierung und Gestaltung vermitteln einzigartige Eindrücke, und über die rund 200 meist interaktiven Exponate, die zum Mitmachen anregen, können auf spannende Weise Informationen zu den gezeigten Themen erschlossen werden.

Begehbare Gebärmutter

In der ersten der vier Ebenen sollen alle Sinne über Geräusche, Lichteffekte und Gerüche angesprochen werden. Die zweite Informationsebene bilden interaktive Exponate, die dritte zeichnet sich durch ebenfalls zum Mitmachen anregende Computer-Programme aus. Die vierte Informationsebene befindet sich in der Mediathek, wo etwa zwanzig Computer zur Verfügung stehen, um die vielfältigen Inhalte und Informationen des Science Centers abrufen zu können.

Die Expedition "Erde" beginnt im Erdmittelpunkt und führt über die verschiedenen Erdschichten bis an die Oberfläche der Erdkruste. Die gewaltigen Kräfte der tektonischen Plattenbewegungen können die Besucher durch simulierte Erdbeben eindrucksvoll am eigenen Körper verspüren. Eine Fahrt im Tauchboot bringt sie anschließend in die Tiefsee zu unbekannten Tieren und zu untermeerischen Vulkanen. Wieder aufgestiegen zur Erdoberfläche können klirrende Kälte in der Antarktis und glühende Hitze in der Wüste erfühlt werden. Das Alter der Erde wird durch vier Zeitzeugen, vier Gesteine, dokumentiert, die zwischen einem Jahr und 4,5 Milliarden Jahren alt sind.

Ausgangspunkt der Expedition "Mensch" ist das begehbare Modell einer Gebärmutter, in der die Besucher an den Anfang der Menschwerdung zurückversetzt werden. Telefonbücher zeigen anschaulich, wie umfangreich drei Milliarden Informationen sind, die in einer einzelnen Zelle enthalten sind. Nur acht Merkmale dieser genetischen Information reichen statistisch gesehen aus, um zwischen 20000 Individuen zu unterscheiden. Weitere Exponate und multimediale Inszenierungen, wie zum Beispiel ein Tasttunnel, vermitteln in ihrer Gesamtdramaturgie lebendige Eindrücke aus Bereichen, die unserer bewussten Wahrnehmung sonst verschlossen bleiben. Wie zum Beispiel entstehen Angst oder Träume? Was ist Bewusstsein? Mehrere Exponate behandeln die Vielseitigkeit unserer Wahrnehmung und unserer Reaktion. Abgeschlossen wird dieser Expeditionsteil durch einen Abschnitt "Zeit". In einer Galerie von hundert Bildern sieht man die Entwicklung des Menschen von der Geburt bis zum Tod – vom Säugling bis zum Greis.

Zu Beginn der Expedition "Kosmos" begeben sich die Besucher auf eine Zeitreise, die sie 15 Milliarden Jahre in die Vergangenheit führen. Mystische Vorstellungen inszenieren den Urknall und die ersten Sekunden des Universums. Zahlreiche Exponate und Installationen vermitteln die Bedeutung von Schwingungen, Wellen und Energie und zeigen auf, welche Kräfte auf die Materie wirken. Spiegelinstallationen und ein riesiger Sternenhimmel verschaffen die Illusion von Unendlichkeit. Das nicht voraussagbare Element in der Entwicklung des Kosmos – Chaos – wird durch einen im Luftstrom tanzenden Ball und durch einen Pendeltisch illustriert, mit dem sich aus einfachen Bewegungen komplexe Muster entwickeln lassen.

Die Universität Bremen und das Universum nutzen die Ausstellung, um gemeinsam eine Brücke zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu bauen. An der inhaltlichen Gestaltung und Planung haben sich dreißig Dozentinnen und Dozenten der Universität beteiligt. Damit sollen auch die Forschung an der Universität transparenter gemacht und der Dialog mit der Bevölkerung verbessert werden. Jungen Leuten mag dies durchaus auch eine Orientierungshilfe bei der schwierigen Berufsfindung bieten. Die Initiatoren erhoffen sich zumindest, dass das Science Center dazu beiträgt, die eigenen Interessen besser zu erkennen und eine qualifizierte Entscheidung für die Berufs- beziehungsweise Studienfachwahl zu treffen. Die Bevölkerung zeigt großes Interesse an den wissenschaftlichen Themen des Science Centers. Nach sieben Monaten Betrieb konnte bereits der 300000ste Besucher im Universum begrüßt werden.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2001, Seite 96
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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  • Infos
Universum Science Center Bremen -> http://www.usc-bremen.de/