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Interview: Empfindsame Seelen

Hochsensible werden oft schlicht für übertrieben dünnhäutig gehalten. Doch die Psychologin Elke Van Hoof hält dagegen: Hochsensibilität ist ein eigenständiges Persönlichkeitsmerkmal, das auch Vorteile birgt.
Frau mit GitarreLaden...

Seitdem die amerikanische Psychologin Elaine Aron 1996 den Begriff "Hochsensibilität" einführte, entwickelte die Bezeichnung ein Eigenleben. Offenbar trifft Arons Beschreibung von Personen, die über ein ausgesprochen empfindsames Gemüt verfügen, einen Nerv: Eine steigende Zahl von Coaching-Angeboten, Selbsthilfegruppen und Blogs zum Thema lässt erahnen, wie viele Menschen derzeit diese Eigenschaft an sich entdecken. Hochsensible sollen Informationen besonders tief verarbeiten und daher schnell unter Reizüberflutung leiden, aber überaus empathisch gegenüber den Bedürfnissen ihrer Mitmenschen und zudem kreativ sein. Forscher streiten jedoch derzeit noch darüber, ob das Konzept wirklich sinnvoll die Unterschiede zwischen Menschen beschreibt. Der häufigste Vorwurf lautet, dass Aron viele Merkmale in einen Topf werfe, die nicht notwendigerweise zusammengehören.

In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Menschen, die man als hochsensibel bezeichnen könnte, oft als schlicht introvertiert, übertrieben emotional oder zartbesaitet. Für die Betroffenen kann es daher hilfreich sein, sich genauer mit ihren persönlichen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, um sich gegen die Ansprüche weniger feinfühliger Menschen behaupten zu können. Eine der Forscherinnen, die sich eingehend mit Hochsensibilität beschäftigen, ist die Gesundheitspsychologin Elke Van Hoof von der Freien Universität Brüssel. Gemeinsam mit Kollegen befragte sie in einer Ende 2015 abgeschlossenen Langzeitstudie mehr als 1000 Personen zum Thema. Im Interview verrät sie erste, bisher unveröffentlichte Ergebnisse und erklärt, wie Hochsensible aus ihren Besonderheiten eher einen Nutzen ziehen, anstatt darunter zu leiden.

Frau Professor Van Hoof, bei Hochsensibilität denken viele an verletzliche Menschen vom Typ "Kräutlein Rührmichnichtan" oder an einen Kollegen, den man nur mit Samthandschuhen anfassen darf, um emotionalen Dramen vorzubeugen. Stimmt dieses Bild mit dem heutigen Forschungsstand überein? ...

7/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 7/2016

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