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Coming Out: Versteckspiel mit Folgen

Noch immer verbergen Menschen ihre Homosexualität aus Angst vor Anfeindungen. Doch es lohnt sich, offen damit umzugehen.
Coming Out

Wolfgang ist ein erfolgreicher ­Manager in einer mittelständischen Firma in Süddeutschland. Wenn seine Kollegen Urlaubspläne austauschen oder von ­ihren Wochenenden berichten, zieht er sich zurück. Wer weiß, wie sie reagieren würden, wenn er nicht von Frau und Kindern, sondern von seinem langjährigen Partner erzählen würde. Deswegen vermeidet er es, sich bei der Arbeit über Privates zu unterhalten. Doch langsam entsteht so bei den Kollegen der Eindruck, er sei ein Sonderling, und er wird gar nicht mehr gefragt, wenn das Team nach der Arbeit gemeinsam etwas unternimmt.

Ist Wolfgangs Angst, die Kollegen würden ­negativ auf seine Homosexualität reagieren, berechtigt? In einer 2009 veröffentlichten Studie fragten wir Schwule, Lesben und Bisexuelle im Rahmen von telefonischen Interviews des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, ob sie schon einmal auf Grund ihrer sexuellen Orien­tierung diskriminiert worden seien. Um Antworten von 600 homo- und bisexuellen Personen zu erhalten, mussten wir mehr als 50 000 Telefonnummern wählen. Zum einen liegt das an der relativ kleinen Zahl von Homo- und Bisexuellen in der Bevölkerung, zum anderen geben diese am Telefon nicht unbedingt ihre sexuelle Orientierung preis. Das Ergebnis: Jeder zweite Schwule und jede vierte Lesbe berichteten von Beleidigungen im Alltag. Jeder fünfte Schwule war sogar schon einmal wegen seiner sexuellen Orientierung bedroht oder angegriffen worden, und im Berufsleben hatte schon jeder siebte Ausgrenzung und jeder achte Beleidigungen erlebt.

Ein unterschätztes Problem?

Bei solchen Befragungen fällt auf, dass Schwule in der Regel über mehr Beleidigungen, Angriffe und Ausgrenzungen berichten als Lesben oder Bisexuelle. Doch die Interpretation solcher Ergebnisse ist nicht ganz einfach: Erstens kann man nicht ausschließen, dass Bisexuelle und Lesben ihre sexuelle Orientierung häufiger verheimlichen als Schwule – und damit auch weniger Diskriminierung erfahren. Darauf weist etwa eine Unter­suchung von 2010 hin. Zweitens ist oft nicht eindeutig feststellbar, ob jemand tatsächlich diskriminiert wurde oder nicht. Schließlich kann niemand mit Sicherheit sagen, ob er schon wegen seiner sexuellen Orientierung nicht befördert wurde. Allerdings unterschätzen die meisten Menschen eher, wie häufig sie Opfer von Diskriminierung werden. Vermutlich aus Selbstschutz, denn ausgegrenzt zu werden macht hilflos und untergräbt das Selbstbewusstsein. …

4/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2016

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  • Quellen

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