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Blickfang: Huckepack ins Gehirn

Neurowissenschaftler versuchen schon seit Längerem, Gene mit Hilfe harmloser Viren in das Gehirn von Mäusen einzuschleusen. Doch dabei scheiterten sie bislang regelmäßig an der Blut-Hirn-Schranke. Denn diese filtert neben vielen chemischen Substanzen auch die meisten Krankheitserreger aus.

Forscher des California Institute of Technology haben nun ein neues Virus erzeugt, das in der Lage ist, die Blut-Hirn-Schranke von Mäusen zu überwinden und gezielt Purkinjezellen, einen bestimmten Zelltyp im Kleinhirn, zu infizieren.

Um zu überprüfen, ob das AAV-PHP.B getaufte Virus sein Ziel erreicht, beluden es die Wissenschaftler mit einem Gen, das für ein pinkfarben fluoreszierendes Protein kodiert. Die Aufnahme zeigt, dass das Gen tatsächlich im Kleinhirn einer Maus angekommen ist: Im grün gefärbten Gewebe der Kleinhirnrinde leuchten die Purkinjezellen unter UV-Licht rosa.

In Zukunft könnten mit Hilfe ähnlicher Virenstämme defekte Gene im Gehirn durch gesunde ersetzt oder Nervenzellen dazu gebracht werden, bestimmte Proteine herzustellen. Ob sie beim Menschen jemals zum Einsatz kommen werden, bleibt allerdings fraglich. Unter anderem ist unklar, ob der virale Transporter und seine Manipulation im Erbgut zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. (bf)

Deverman, B. et al.: Cre-Dependent Selection Yields AAV Variants for Widespread Gene Transfer to the Adult Brain. In: Nature Biotechnology 34, S. 204–209 2016

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