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Zahlensinn: Hunde schätzen Mengen gleich wie Menschen

Wir werden mit einem primitiven Mengensinn geboren, der es uns ermöglicht, auf einen Blick die ungefähre Anzahl von Objekten abzuschätzen. Diese intuitive Fähigkeit setzt kein höheres Zahlenverständnis voraus und findet sich quer durchs Tierreich, etwa bei Affen, Fischen und sogar Bienen. Doch bisher war unklar, ob auch die zu Grunde liegenden neuronalen Mechanismen über verschiedene Spezies hinweg die gleichen sind.

Lauren Aulet und ihr Team von der Emory University in Atlanta haben nun gezeigt, dass dies zumindest für Säugetiere zutreffen könnte. Die Forscher scannten mittels funktioneller Magnetresonanztomografie das Hirn von elf Haushunden, während diese hintereinander Abbildungen von Punkten variierender Anzahl sahen. Die Idee dabei: Hirnareale, die für den Zahlensinn zuständig sind, sollten stärker aktiv sein, wenn der Unterschied zwischen aufeinander folgenden Mengen sehr groß ist – etwa wenn auf zehn Punkte nur zwei folgen.

Und tatsächlich: Bei acht von elf Hunden zeigte sich im parietotemporalen Lappen eine vom Mengenverhältnis der Punkte abhängige Aktivierung, und zwar unabhängig von der Fläche, die die Punkte insgesamt einnahmen. Dies sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass Hunde spontane Mengenkalkulationen vornehmen und hierzu jene Hirnregion nutzen, die laut früheren Studien auch mit dem primitiven Zahlensinn bei Menschen sowie anderen Primaten assoziiert ist. Die Forscher schlussfolgern, dass es sich hierbei um einen neuronalen Mechanismus handelt, der mindestens 80 Millionen Jahre in der Evolution der Säugetiere zurückreicht. Anders als Tiere bauen Menschen im Lauf ihrer Entwicklung jedoch höhere mathematische Fähigkeiten auf diesem primitiven Zahlensinn auf und nutzen dafür zusätzlich ihren Präfrontalkortex.

4/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 4/2020

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  • Quelle
Biology Letters 10.1098/rsbl.2019.0666, 2019