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Außerirdisches: If the Universe is Teeming with Aliens ... Where Is Everybody?

Fifty Solutions to the Fermi Paradox and the Problem of Extraterrestrial Life
Copernicus Books, New York 2002. 300 Seiten, $ 27,50


Ein Blick in den Nachthimmel genügt, und schon sind wir in den Klauen des Fermi-Paradoxons gelandet. Denn im selben Moment kommen uns zwei Einsichten, die einander eigentlich ausschließen: In einem schier unendlichen Universum mit Milliarden von Sterneninseln muss es fast zwangsläufig auch anderswo bewohnte Welten geben – doch nirgendwo entdecken wir auch nur eine Spur von außerirdischen Zivilisationen. "Where is everybody?", fragte der Physik-Nobelpreisträger Enrico Fermi vor über fünfzig Jahren: Wenn es sie gibt, wo sind sie dann alle?

Kreative Lösungsvorschläge für das Paradoxon gibt es zuhauf: Wir sind die erste Zivilisation, die so hoch entwickelt ist, wir suchen auf den falschen Frequenzen, wir sind alle Aliens, denn die ersten organischen Sporen gelangten auf Meteoriten in unser Sonnensystem. Auch folgende Variante wurde bereits mit einiger Ernsthaftigkeit vorgetragen: Der Nachthimmel ist in Wirklichkeit ein riesiges Planetarium, das uns vorgaukeln soll, es gebe kein Leben im Universum.

Der Physiker Stephen Webb, den das Thema schon fast zwanzig Jahre lang umtreibt, hat all diese Vorschläge, ob sie nun von Wissenschaftlern, Science-Fiction-Autoren oder Tischnachbarn in der Kneipe um die Ecke stammten, zusammengetragen, sortiert und höchst kenntnisreich kommentiert. Fünfzig kleine, allgemein verständliche Abhandlungen zur Lösung des Fermi-Paradoxons sind so zusammengekommen, eingeteilt in drei Kategorien: "Sie" sind oder waren längst hier, "sie" haben noch nicht mit uns kommuniziert, es gibt "sie" nicht.

Klug und unterhaltsam geschrieben, ist das Buch nicht zu einer bloßen Auflistung geraten, sondern zu einem Netz an Querverweisen und aufeinander aufbauenden Lösungsvarianten. Auch noch so gewagte Spekulationen werden mit kritischer Distanz daraufhin untersucht, ob ihnen nicht doch eine vernünftige Idee zu Grunde liegt. So liest sich selbst die Diskussion der Planetariumshypothese als informatives Lehrstück: Welche Art von Zivilisation wäre in der Lage, ein solches Planetarium zu errichten, und wie lässt sich seine Existenz mithilfe unseres naturwissenschaftlichen Paradigmas widerlegen? Wenn die Lösung des Fermi-Paradoxons gegen Ende der Lektüre in weitere Ferne gerückt zu sein scheint, als dies noch beim ersten Aufschlagen des Buches der Fall war, dann hat der Leser immerhin die außergewöhnliche Tragweite dieses kosmischen Rätsels kennen gelernt.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2003, Seite 100
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2003

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