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Chronomedizin: Im Einklang mit dem inneren Taktgeber

Die Chronotherapie beruht darauf, Arzneimittel zu vorgegebenen Zeitpunkten zu verabreichen. In klinischen Studien hat sie sich als viel versprechend erwiesen. Doch es gibt noch viele praktische Herausforderungen.
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Carole Godain erinnert sich noch gut an viele kleine Details der klinischen Studie, an der sie vor neun Jahren teilnahm. Es gab den blauen Knopf, auf den sie drücken musste, um ihren Chemotherapie-Wirkstoff zu erhalten, und das grün aufleuchtende Licht, welches anzeigte, dass die Substanz in ihre Adern floss. Und dann war da natürlich noch der Zeitpunkt, auf den die tägliche Behandlung festgelegt worden war: immer um genau 22 Uhr.

Alle Anzeichen deuteten damals darauf hin, dass es mit Godain zu Ende gehe. Die erste Behandlung ihrer metastasierten Darmkrebserkrankung war fehlgeschlagen; in ihrer Leber hatten sich nicht weniger als 27 Tumoren eingenistet. Die Psychologin aus dem französischen Tours entschied sich, an einer Studie am Paul-Brousse-Krankenhaus in Villejuif teilzunehmen. Dort wurde geprüft, ob das Verabreichen der Arzneimittel zu einer bestimmten Tageszeit deren Wirkung erhöhe oder deren unerwünschte Nebenwirkungen vermindere oder im Idealfall beides. »Ich hoffte, damit meine Überlebenschancen zu verbessern«, sagt Godain.

Heute ist die Psychologin 43 Jahre alt und frei von jeglichen Symptomen einer Krebserkrankung. Francis Lévi, ihr behandelnder Onkologe, betont zwar, ein so gutes Ergebnis sei ungewöhnlich. Zugleich sagt er aber auch, dass sich die Belege mehren, wonach Chronotherapien sehr erfolgreich sein könnten. Darunter versteht man Behandlungen, die zeitlich so abgestimmt werden, dass sie maximal nutzen beziehungsweise minimale Nebenwirkungen entfalten. Laut Lévi, der inzwischen an der Warwick Medical School im britischen Coventry arbeitet, verdienen solche Therapien mehr Interesse seitens der Mediziner ...

Februar 2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Februar 2019

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