Direkt zum Inhalt
Prostitution

Im Kopf des Freiers

Warum zahlen Männer für Sex? Prostitutionsforscher sind sich uneins: Die einen halten die Konsumenten käuf­licher Liebesdienste für verhinderte Romantiker - die anderen für chauvinistische Frauenverachter.
Im Kopf des Freiers
Alejandro Ramos ist ein Freier. Auf der ­Website der Polizei von Chicago findet sich ein Foto des 28-Jährigen. Das Bild des schnauzbärtigen Mannes ist für jedermann unter www.chicagopolice.org/ps/list.aspx frei zugänglich. Ramos ist nicht der Einzige, der im virtuellen Portal der Chicagoer Polizei als Freier gebrandmarkt wird. Auch der 52-jährige Hector Castillo und der 45-jährige John Kimbrough stehen dort einen Monat lang am Online-Pranger. Ihre Fotos werden öffentlich ausgestellt, weil sie Sex kaufen wollten – und das ist in Chicago illegal.
Im Unterschied zu den USA (mit Ausnahme von Nevada) oder Schweden ist Prostitution in Deutschland ein legales Gewerbe und der Konsument einer sexuellen Dienstleistung damit auch kein Straftäter. Entsprechend kritisch bewerten deutsche Forscher die US-amerikani­sche Website: Zum einen erwecke die Auswahl der Porträts Misstrauen – dem Augenschein nach würden nämlich vorwiegend Afro- und Lateinamerikaner sowie Vertreter niederer sozialer Schichten denunziert, so der Soziologe und Rechtswissenschaftler Rüdiger Lautmann von der Universität Bielefeld. Zum andern werden Freier wie Ramos, Castillo oder Kimbrough öffentlich für etwas bloßgestellt, was Männer überall auf der Welt tun. Glaubt man der Pros­tituierten-Organisation Hydra e. V., nehmen in Deutschland sogar bis zu drei Viertel der Männer käufliche Liebesdienste in Anspruch. Vorsichtigeren Schätzungen von Prostitutionsforschern zufolge ist zumindest jeder fünfte deutsche Mann schon mal ein Freier gewesen …
Juni 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Juni 2008

Kennen Sie schon …

Sex - Zwischen Lust und Frust

Spektrum Kompakt – Sex - Zwischen Lust und Frust

Liebe, Begierde, Erregung, Verlockung - viele Wege führen ins Schlafzimmer. Doch wie kommt man (und Frau) dort auch auf ihre Kosten? Wie viel Erregung ist »normal«? Und wo bleiben die Sexroboter? Das und mehr in unserem Kompakt »Sex«.

Familie Teil 3

Gehirn&Geist – Familie Teil 3: Erwachsen werden

Smartphones & Co: Schaden Handys der Psyche? • Prüfungen: Wie die mentale Vorbereitung glückt • Eltern im Stress: Die Warnzeichen des Burnout

Dossier 3/2017

Gehirn&Geist – Dossier 3/2017: Lust, Glück, Sinn

Selbstwert: Wer sich mag, hat’s leichter • Mythos Geld: Warum wir Materielles überschätzen • Zufriedenheit: Das Geheimnis eines erfüllten Lebens

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

  • Infos
Literaturtipps

Grenz, S.: (Un)heimliche Lust. Über den Konsum sexueller Dienstleistungen. 2., aktualisierte Auflage. VS Verlag, Wiesbaden 2007.

Kimmel, M. S.: The Gender of Desire. Essays on Male Sexuality. State of New York Press, New York 2005.

Mansson, S.-A.: What Exactly is it that Men Buy? On Men’s Images and Fantasies of Prostitutes and Trafficked Women. Brüssel, Europäisches Parlament, 29. November 2006.