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Religionsreform: Ein Tempel, der allen gemeinsam ist

Weil er das Reich Davids wieder errichten wollte, ließ König Josia alle Kulte außer dem Jahwes ausrotten und obendrein sämtliche Heiligtümer bis auf den Jerusalemer Tempel schleifen.

Das Schicksal Judas hatte im 7. Jahrhundert fest in den Händen der Assyrer gelegen, die unter San­herib (705 – 681 v. Chr.) bis nach Ägypten vordrangen. Doch schon unter Assurbanipal (669 – 626 v. Chr.) schwand die Macht des Großreichs. Insbesondere Babylon erstarkte und begründete schließlich nach dem Tod des assyrischen Großkönigs das Neubabylonische Reich. Auch Meder und skythische Bevölkerungsgruppen gehörten zum Kreis jener Gegner, denen Assur letztlich erlag: 612 wurde seine Hauptstadt Ninive erobert, 610 setzte der Fall der Stadt Harran im westlichen Mesopotamien dem assyrischen Reich ein Ende.

In dessen Randzonen witterte man schon zu Beginn des Zerfalls eine Chance, den Vasallenstatus endlich abzulegen. Wann Judas König Josia diese Abkoppelung vollzog, ist nicht überliefert, es bietet sich aber das Jahr 626 als Datum an: Zum einen wurde Josia zu dieser Zeit volljährig, zum anderen starb Assurbanipal, und Vasallenverträge waren stets zwischen Personen geschlossen worden. Als Ninive fiel, glaubten viele Judäer, dass das prophezeite Kommen des Messias unmittelbar bevorstand und dass bald wieder das Haus Davids über Israel und Juda herrschen werde. Vor diesem Hintergrund wird die wagemutige Politik des jungen Josia, der dieser Dynastie angehöhrte, begreiflich. ...

Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2015

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