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Impulsivität: Gib Gas!

Im Alltag fällen wir am laufenden Band Entscheidungen - manche blitzschnell. Doch wie beugt das Gehirn allzu unüberlegten Aktionen vor? Und warum klappt das bei manchen Menschen oft nicht so gut?
Autofahrer schreit entnervtLaden...

Wie sich Klein-Donald wohl im Labor geschlagen hätte? Wäre Trump als Vierjähriger dem Reiz des süßen Marshmallows erlegen – oder hätte er widerstehen können, um später zwei davon zu bekommen? Seit Ende der 1960er Jahre haben unzählige Kinder in dem berühmten Experiment zum Belohnungsaufschub mehr oder weniger erfolgreich versucht, ihre Impulse im Zaum zu halten. Verhaltensforscher stellen damit bis heute die Impuls- und Selbstkontrolle von jungen Probanden auf die Probe. Wie auch immer sich der amerikanische Präsident bei solchen Tests gemacht hätte, heute jedenfalls steht sein Name wie kaum ein zweiter für Impulsivität – für Entscheidungen "aus dem Bauch heraus", für unüberlegte Twitter-Tweets, wütende Angriffe auf politische Gegner und außenpolitische Entscheidungen im Eilverfahren.

Nicht nur auf der großen Weltbühne, sondern auch im Alltag ist es wichtig, nicht jeder inneren Regung ­sofort nachzugeben. Sonst würden wir andauernd vorschnell handeln, etwa überteuerte Produkte kaufen, nach denen es uns gerade gelüstet, oder im Auto noch schnell aufs Gaspedal treten, wenn die Ampel gerade auf Gelb springt. Schon Sigmund Freud (1856-1939) und der Psychiatrie-Pionier Emil Kraepelin (1856-1926) attestierten Hitzköpfen eine "Erkrankung der Impuls­kontrolle", bei der unwillkürliche Aktionen gegenüber wohlüberlegten vorherrschen. Das Konzept der Impulsivität als relativ fester Charakterzug fand jedoch erst mit den berühmten Marshmallow-Experimenten des Stanforder Psychologen Walter Mischel Ende der 1960er Jahre Eingang in die Verhaltenswissenschaft ...

11/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2017

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  • Quellen

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