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Pädagogik: Individuelles Lernen per Computer

Schulen und Hochschulen begeistern sich für Technologien, die Lernenden Inhalte mundgerecht servieren und den Lehrer entbehrlich machen. Aber ist das eine Verbesserung?
Lehrmittel der Zukunft - Onlinematerialen, adaptives LehrprogrammLaden...

Als Arnecia Hawkins sich im Herbst 2012 an der Arizona State University (ASU) einschrieb, ahnte sie nicht, dass sie Versuchskarnickel für ein sehr großes Experiment werden würde. Es ging um nichts weniger als die Neuerfindung der Grundausbildung an amerikanischen Hochschulen. Ein gutes halbes Jahr später saß sie gemeinsam mit einer Kommilitonin namens Jessica in einem gut ausgestatteten Computerlabor im Campus Tempe der ASU – der wie eine Ferienkolonie mitten in der Wüste wirkt – und übte Annuitäten berechnen: Welche Summe aus Zins- und Tilgungszahlungen ergibt sich, wenn man einen Kredit mit festem Zinssatz in einer vorgegebenen Zeit abzahlen will?

Von einem mittels Software simulierten Steuerpult aus konnten die beiden per Mausklick Videos, digitalisierte Lehrbücher, Quizseiten und Übungsaufgaben anwählen und in ihrer eigenen Geschwindigkeit durcharbeiten. Nicht nur ihre Lösungen zu den Aufgaben, sondern alle ihre Aktionen am Computer wurden an einen Server übermittelt. Dort verglichen Prognosealgorithmen ihr Verhalten mit dem von Zehntausenden anderer Studierender und versuchten daraus zu erschließen, was Hawkins gerade lernte, was ihr Schwierigkeiten bereitete, was sie als Nächstes lernen, und vor allem, wie sie das tun sollte.

Für Hawkins war es ungewohnt, von einem Computer zu lernen. "Ich will nicht lügen, am Anfang hat es mich echt genervt", gibt sie zu. Für ihren Professor war es ebenfalls eine Umstellung. Der Mathematiker David Heckman war den Frontalunterricht gewohnt; nun musste er als wandernder Nachhilfelehrer auf Handzeichen jedem aushelfen, der nicht weiterkam. Bald erkannten beide jedoch auch Vorteile. Hawkins schätzte die Möglichkeit, in ihrer eigenen Geschwindigkeit und bei freier Zeiteinteilung – zum Beispiel zu Hause mit dem eigenen Laptop – zu arbeiten. Und Heckman konnte die Lernerfolge seiner Studenten besser im Auge behalten. Auf seinem Bildschirm war nicht nur zu sehen, wer mitkam und wer hinterherhinkte, sondern auch, an welchem Thema jeder gerade arbeitete. Bislang würde Heckman immer noch die herkömmliche Vorlesung bevorzugen, aber er scheint sich umzustellen. Zudem hält die Software für die Lehrkräfte ein besonderes Bonbon bereit: Sie übernimmt den größten Teil der Notengebung. ...

Juli 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Juli 2014

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