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Interview mit Jürgen Mlynek



Spektrum der Wissenschaft: Herr Professor Mlynek, wie wollen Sie die Lehre an der Humboldt-Universität für die Studierenden attraktiver machen?

Professor Dr. Jürgen Mlynek: Wir müssen ihnen gegliederte Studiengänge und klare Zeithorizonte bieten, andererseits genügend Freiraum lassen für Eigeninitiative und Persönlichkeitsentfaltung. Schon im Grundstudium angebotene kleine Forschungsprojekte können die Kompetenz zum selbstständigen Wissenserwerb fördern. Ferner möchte ich erreichen, dass ein Auslandsaufenthalt zum integralen Bestandteil des Studiums wird. Offene Türen und eine intensive Betreuung vor, während und nach dem Studium müssen zum Markenzeichen der Humboldt-Universität werden.

Spektrum: Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Forschung?

Mlynek: Es wird wichtig sein, starre Abgrenzungen der Fächer aufzubrechen und interdisziplinäres Arbeiten stärker zu unterstützen. Thematische Schwerpunktbildungen dürfen nicht statisch, sondern müssen dynamisch verstanden werden. Wissenschaftsbasierte Aktivitäten zum Leben bringen, erblühen lassen, aber auch zum Abschluss bringen, um damit Neues entstehen zu lassen – die Universität muss wie ein lebendiger Organismus sein.

Spektrum: Und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses?

Mlynek: Die größten Defizite gibt es ja in der Post-Doc-Phase, aber auch noch in der Promotionsphase. Ansätze für Reformen sind bereits gemacht. Zusätzlich möchte ich "Zentren für Graduiertenstudien" als institutionellen Rahmen einrichten, um die Qualität und die Betreuung der Dissertationen zu gewährleisten. Der Weg der Post-Doktoranden muss durch eine frühzeitige Evaluation begleitet werden, so dass Weichen gestellt und die Entscheidung für oder wider eine Karriere in der Wissenschaft dann gefällt werden kann, wenn Alternativen noch ergriffen werden können.

Spektrum: Möchten Sie am Habilitationsverfahren festhalten?

Mlynek: Nein. Ich möchte mich für befristete Qualifikationsprofessuren einsetzen. Die externe Bewertung der wissenschaftlichen Leistung soll dann die Habilitationsschrift ersetzen. Ferner möchte ich ein "Humboldt Center of Junior Research Fellows" gründen, in dem sich Wissenschaftler frühzeitig als eigenständige Forscherpersönlichkeiten profilieren können.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 2000, Seite 94
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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