Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Schwerelosigkeit: Leichter denken

An der Deutschen Sporthochschule Köln untersuchen Forscher nicht nur die Leistung von Fußballern oder Leichtathleten. Auch Neurowissenschaft wird hier betrieben – gar mit extraterrestrischem Fokus: Stefan Schneider und sein Team interessiert, was in Astronautenhirnen vor sich geht. Ein Gespräch über Schwerelosigkeit, Experimente im All und was sie uns über das Leben auf der Erde lehren.
Hirnströme beim Parabelflug

Herr Professor Schneider, die Informationsver­arbeitung im Gehirn beruht auf elektrischen und chemischen Prozessen – hat die Schwerkraft darauf überhaupt einen Einfluss?

Das Blut im Körper verteilt sich mit dem Eintritt in die Schwerelosigkeit um – normalerweise zieht die Schwerkraft es ja in die Beine. Deshalb bekommen Astronauten "puffy faces", diese dicken, geschwollenen Gesichter. Mit dem Blutvolumen im Kopf ändert sich eventuell auch der Hirninnendruck. Das könnte sich auf neuronale Prozesse auswirken – ob oder wie es das tatsächlich tut, wissen wir allerdings nicht, die Forschung steht noch am Anfang.

Gilt denn nicht: mehr Blut im Gehirn gleich bessere Leistung?

So einfach ist es wohl nicht. Sonst müssten wir in der Schule nur noch im Liegen unterrichten, denn in liegender Position haben Sie natürlich ebenfalls mehr Blut im Kopf. Und von Astronauten gibt es Berichte, aus denen man schließen könnte, dass der erhöhte Blutdruck im Kopf langfristig wohl auch Schwierigkeiten macht, etwa zu Sehproblemen führt. Leider haben wir aber nur Einzelfallberichte und keine Daten mit echter Beweiskraft – letztlich wissen wir es also nicht. Hinzu kommt: Ein Leben in Isolation – wie auf der ISS oder, noch etwas weiter in die Zukunft geschaut, während einer mehrjährigen Reise zum Mars – geht natürlich mit diversen anderen, dauerhaften Stressoren einher. Das fängt beim Essen an, hier werden Abwechslung und Menge zu wünschen übrig lassen. Es geht weiter über fehlende Kontakte zu Freunden und Familie bis hin zu den unausweichlichen Spannungen in multinationalen und multikulturellen Teams. Da ist kaum zu unterscheiden, welche Effekte von der Schwerelosigkeit herrühren und welche von den sonstigen Lebensumständen in einer, salopp gesagt, Blechbüchse irgendwo im Weltall. ...

Kennen Sie schon …

Spektrum - Die Woche – »Das ist der Weg zu einer dauerhaften Präsenz auf dem Mond«

»Die Woche« fragt, was die Artemis‑Mission für die Raumfahrt bedeutet und warum der Mond wieder in den Fokus rückt. Außerdem: Quantenexperimente mit unklarer Kausalität, der drohende Kipppunkt im Amazonas und warum Balkonsolar für viele Haushalte attraktiver wird.

Gehirn&Geist – Faszination Gehirn: 38 Infografiken über unser Denken, Fühlen und Handeln

Weil Sprache allein nicht immer das beste Kommunikationsmittel ist, werden seit 2013 ausgewählte Inhalte auf eine andere Art präsentiert: in Infografiken. Denn manches lässt sich in Bildern so viel einfacher darstellen als mit Worten. In dieser 2. Auflage der Spezialausgabe von »Gehirn&Geist« präsentieren wir ein »Best-of« unserer Infografiken zu Psychologie, Hirnforschung und Medizin. Wie funktioniert unser Orientierungssinn? Was haben Darmbakterien mit der Psyche zu tun? Was macht eine angenehme Unterhaltung aus? Wie wirkt Alkohol im Gehirn? Und warum lassen wir uns im Supermarkt so leicht zu Spontankäufen animieren? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie in dieser 2. Auflage der Spezialausgabe von »Gehirn&Geist«. Jede der 38 Grafiken im Heft widmet sich einem eigenen Thema.

Spektrum der Wissenschaft – Quanten und Raumzeit - Mit dem Computer zur Quantengravitation

Wie lässt sich die Schwerkraft mit der Quantenphysik vereinen? In »Eine Welt aus Dreiecken« erläutert die Professorin Renate Loll einen Ansatz, der ohne exotische Zutaten auskommt und erstaunliche Vorhersagen liefert: die kausale dynamische Triangulation. Daneben berichten wir, mit welchen Tricks metastasierende Krebszellen in fremden Geweben überleben und wie sie sich vielleicht aufhalten lassen. In der Physik greifen Forschende vermehrt auf KI-Modelle zurück – und die Programme sorgten schon für einige Überraschungen, von Versuchsdesigns über genauere Formeln bis hin zum Aufdecken verborgener Symmetrien. Weitere Themen: wie der Mensch als Selektionsfaktor die Evolution von Tieren beeinflusst sowie die Idee, Chlor als Energiespeicher zu nutzen.

  • Quellen

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.