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Selbsttäuschung: Irren ist ... sinnvoll!

Kann es vernünftig sein, sich gegenüber Fakten, die die eigene Person betreffen, taub und blind zu stellen? Ja, sagen die Philosophen Albert Newen von der Ruhr-­Universität Bochum und Gottfried Vosgerau von der Heinrich-Heine-Universität ­Düsseldorf. Denn diese Form der Täuschung schützt und stabilisiert unser Selbstbild.
"Was ist der Mensch?"
Repräsentativen Umfragen zufolge glauben 94 Prozent der Collegeprofessoren in den USA, dass sie ihre Arbeit besser machen als ihre Kollegen. Jeder vierte amerikanische Student ist davon überzeugt, zum leistungsstärksten Prozent der Kommilitonen zu gehören. Knapp zwei Drittel der Amerikaner zählen sich zur klügeren Hälfte der Bevölkerung. 77 Prozent der schwedischen Studenten geben an, sie würden überdurchschnittlich sicher fahren, und drei von vier Schachspielern halten ihre offizielle Spielstärke laut Rangliste für unterbewertet.
Zahlreiche psychologische Studien be­legen: Wir tendieren dazu, uns selbst in einem allzu ­rosigen Licht zu sehen. Selbsttäuschung ist ein verbreitetes Phänomen (siehe G&G 7-8/2010, S. 44). Problematisch wird der verzerrte Blick, wenn die Abweichung von der Wirklichkeit so groß wird und er negative oder gar zerstörerische Konsequenzen hat. Glaubt jemand, dass er als 50-Jähriger einen Marathon laufen kann, aber völlig untrainiert an den Start geht, riskiert er auf Grund dieser Selbsttäuschung einen körperlichen Zusammenbruch.
Auch Philosophen streiten über Sinn und Zweck der Selbsttäuschung – etwa anhand von Gedankenspielen wie dem vom betrogenen Ehemann ...

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Gehirn&Geist – Faszination Gehirn: 38 Infografiken über unser Denken, Fühlen und Handeln

Weil Sprache allein nicht immer das beste Kommunikationsmittel ist, werden seit 2013 ausgewählte Inhalte auf eine andere Art präsentiert: in Infografiken. Denn manches lässt sich in Bildern so viel einfacher darstellen als mit Worten. In dieser 2. Auflage der Spezialausgabe von »Gehirn&Geist« präsentieren wir ein »Best-of« unserer Infografiken zu Psychologie, Hirnforschung und Medizin. Wie funktioniert unser Orientierungssinn? Was haben Darmbakterien mit der Psyche zu tun? Was macht eine angenehme Unterhaltung aus? Wie wirkt Alkohol im Gehirn? Und warum lassen wir uns im Supermarkt so leicht zu Spontankäufen animieren? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie in dieser 2. Auflage der Spezialausgabe von »Gehirn&Geist«. Jede der 38 Grafiken im Heft widmet sich einem eigenen Thema.

Spektrum - Die Woche – Der Traum vom perfekten Ich

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Gehirn&Geist – Multiple Persönlichkeit: Was hinter der dissoziativen Identitätsstörung steckt

Manche Menschen scheinen verschiedene Ichs in sich zu tragen, die im Wechsel die Kontrolle über den Körper übernehmen – mit jeweils eigenem Alter, Namen und Geschlecht. Unsere Experten, die zu dissoziativen Phänomenen forschen, stellen die wichtigsten Fakten zur »Multiplen Persönlichkeit« vor. Ergänzend dazu geht die Psychologin Amelie Möhring-Geisler der Frage nach, ob rituelle Gewalt in der Kindheit gezielt Persönlichkeitsspaltungen herbeiführt. In dieser Ausgabe beginnt zudem eine neue Artikelserie zum Thema »Long Covid und ME/CFS«. Im Interview spricht Carmen Scheibenbogen von der Berliner Charité über Ursachen von ME/CFS, den Versorgungsmangel in Deutschland und Hoffnung auf Medikamente. Darüber hinaus berichten wir über das Glücksparadox, das besagt: Je mehr wir dem Glück hinterherjagen, desto weiter entfernt es sich. Wir stellen das Thema psychotherapeutische Patientenverfügung vor, die im psychischen Krisenfall eine große Hilfe sein kann, sowie die noch immer rätselhafte Schmerzerkrankung Fibromyalgie, über deren Ursachen noch viel spekuliert wird.

  • Quellen
Beauregard, K. S., Dunning, D.:Defining Self-Worth: Trait Self-Esteem Moderates the Use of Self-Serving Trait De­finitions in Social Judgment. In: Motivation and Emotion, 25(2), S. 135-161, 2001.

Chabris, C., Simons, D.: The Invisible Gorilla. And Other Ways Our Intuition Deceives Us. Harper Collins, London 2010.

Greve, W., Wentura, D.:Immunizing the Self: Self-Concept Stabilization Through Reality-Adaptive Self-Definitions. In: Personality and Social Psychology Bulletin 29(1), S. 39-50, 2003.

Mele, A. R.: Self-Deception Unmasked. Princeton University Press, Princeton 2001.

Michel, C., Newen, A.:Self-Deception as Pseudo-Rational Regulation of Belief. In: Consciousness and Cognition 19(3), S. 731-744, 2010.

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