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Fundamentalphysik: Ist die Stringtheorie noch eine Wissenschaft?

Kritiker werfen ihr vor, Dinge zu behaupten, die sich jeder Prüfung entziehen. Doch die Stringtheorie ist auf dem Weg zur Weltformel erfolgreich wie keine andere. Möglicherweise zwingt sie die Physik allmählich zu einem Paradigmenwechsel.
© Kristin Riebe
Galt der Mensch einst als Krone der Schöpfung, so musste er in den vergangenen Jahrhunderten doch eine Menge einstecken: Erst vertrieb ihn Nikolaus Kopernikus aus dem Zentrum der Welt, dann stieß Charles Darwin ihn ins Tierreich zurück. Selbst über unser Sonnensystem wissen wir mittlerweile, dass es sich durch eine reichlich randständige Region der Milchstraße bewegt. Und nun, als wäre das noch nicht genug, behaupten theoretische Physiker, dass selbst unser Universum nicht einzigartig sei, sondern nur eines von unzähligen Paralleluniversen.

Laut der Stringtheorie besitzen die zusätzlichen Welten jeweils andere Eigenschaften als die unsere. Sie beherbergen andere Elementarteilchen und werden von anderen Fundamentalkräften regiert. Und wohl nur in sehr wenigen dieser Universen blicken Beobachter wie wir ins All und stellen Fragen nach der Struktur ihrer Welt. Wenn wir die Stringtheoretiker aber fragen, wann wir diese Universen einmal zu Gesicht bekommen, sagen sie uns: Dazu wird es schwerlich kommen.

Überraschenderweise scheint der Theorie damit kein Zacken aus der Krone zu brechen. Im Gegenteil, sie ist bestens etabliert und für die meisten Physiker diejenige Kandidatin für eine "Theorie von allem", auf welcher derzeit die größten Hoffnungen ruhen. In ihr gelten so genannte Strings als fundamentale Bausteine des Universums: winzige eindimensionale Objekte, die man sich näherungsweise als schwingende Saiten vorstellen kann und die je nach Art der Schwingung unterschiedliche Elementarteilchen repräsentieren. Besteht die Welt tatsächlich aus Strings, könnte diese Theorie eines Tages alle physikalischen Phänomene unserer ebenso wie anderer Welten mit Hilfe einer oder weniger Gleichungen beschreiben.

Doch wie können Physiker scheinbar kritiklos auf die von Karl Popper (1902 – 1994) geforderte Falsifizierbarkeit wesentlicher Konsequenzen einer physikalischen Theorie verzichten? Und wie können sie Schlussfolgerungen ernst nehmen, zu denen allein mathematische Formalismen, nicht aber Beobachtungen der Natur führen? Hauptsächlich liegt dies wohl…
Mai 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Mai 2009

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