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Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft

Junge Ärzte und Eheglück

Lloyd S. Shapley und Alvin E. Roth erhalten den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis für ihre Arbeiten zur kooperativen Spieltheorie.
Lloyd Shapley (links) und Alvin E. Roth (rechts) erhielten den Wirtschaftsnobelpreis 2012 für ihre Arbeiten zur kooperativen Spieltheorie.

Die beiden Preisträger haben auf ihrem Arbeitsgebiet eine so strikte Arbeitsteilung – hier der Theoretiker, da der Praktiker – praktiziert, dass sie nie ernsthaft zusammengearbeitet haben. Lloyd S. Shapley, Jahrgang 1923, verfasste Anfang der 1960er Jahre als Angehöriger der amerikanischen Denkfabrik RAND Corporation bahnbrechende theoretische Arbeiten zum Geschehen auf Märkten, die nicht durch Preise gesteuert werden. Zwei Jahrzehnte später erforschte der eine Generation jüngere Alvin E. Roth (geboren 1951) einen solchen nicht preisgesteuerten Markt, nämlich den Arbeitsmarkt für amerikanische Mediziner nach dem Universitätsabschluss – und fand, dass sich mit Shapleys Theorie ein spezielles Vermittlungsverfahren nicht nur erklären, sondern sogar verbessern ließ. In der Folge konnte Roth Shapleys theoretische Erkenntnisse auf eine Vielzahl praktischer Probleme anwenden.

Das theoretische Fundament für Shapleys Werk ist die – weit gehend von ihm selbst geschaffene – kooperative Spieltheorie. Die geläufigere nichtkooperative Spieltheorie handelt typischerweise von Akteuren mit gegensätzlichen Interessen, die vor allem keine Chance haben, verlässliche Vereinbarungen miteinander abzuschließen. Paradebeispiel ist das viel diskutierte Gefangenendilemma. In der kooperativen Spieltheorie dagegen sind die Akteure zu bindenden Verabredungen fähig und profitieren in der Regel von einer Zusammenarbeit. Gleichwohl will jeder von ihnen, wie in der Wirtschaftswissenschaft üblich, seinen persönlichen Nutzen maximieren. Das schafft ausreichend Raum für Konflikte und damit ein Betätigungsfeld für die Wissenschaftler.

Das mathematische Modell für solche Situationen umfasst Akteure – Einzelpersonen oder Firmen –, die entweder einzeln oder in Zusammenschlüssen ("Koalitionen") ihr Geld verdienen können. Dabei sind die Einkünfte, die jede Koalition erzielen könnte, im Modell vorgegeben. Typischerweise sind sie größer als die Summe der Einkünfte ihrer Mitglieder; das sind die Vorteile des arbeitsteiligen Wirtschaftens …

Dezember 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Dezember 2012

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