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Medizin: Junge Nerven gegen Depression



Antidepressiva wirken meist erst nach Wochen, was sich bisher nicht recht erklären ließ. Das Team um René Hen von der Columbia-Universität in New York fand nun heraus, dass der gemütsaufhellende Effekt einiger Medikamente wahrscheinlich auf die Neubildung von Nerven im Hippocampus zurückgeht – jener Hirnregion, die mit Lernen und Gedächtnis zu tun hat. Junge Neuronen sind flexibler in der Ausbildung von Kontakten, was dem Gehirn die Bewältigung von Stress erleichtern könnte. Viele Antidepressiva wie Fluktin (Prozac) erhöhen die Konzentration des Nervenbotenstoffs Serotonin, der zumindest bei Embryonen das Zellwachstum fördert. Bei Mäusen wirkten sie nicht, wenn die Forscher durch regelmäßige Bestrahlung dafür sorgten, dass neu gebildete Neuronen abgetötet wurden. Auch nach monatelanger Behandlung blieben die Versuchstiere ängstlicher und gestresster als die einer Kontrollgruppe. Gelten die Ergebnisse auch für den Menschen, könnten wirksamere Medikamente entwickelt werden, die das Nervenwachstum direkt stimulieren.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003, Seite 10
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
10 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003

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