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Stigmatisierung: Kampf dem Vorurteil

Wer an einer seelischen Störung leidet, stößt bei anderen oft auf Ablehnung und Vorurteile - was sich negativ auf das Selbstbild und den Krankheitsverlauf auswirken kann. Die Soziologin Beate Schulze erklärt, wie sich Betroffene erfolgreich zur Wehr setzen.
Im sozialen Abseits
Die Depression kam, als eigentlich alles wieder im Lot zu sein schien. Gerade hatte ­Carola eine Brustkrebserkrankung überstanden, hatte Operation und Chemotherapie erfolgreich hinter sich gebracht und wieder in ihrem Beruf als Direktionsassistentin Fuß gefasst. Doch eines Morgens spürte sie plötzlich keinen Antrieb mehr, schaffte es nicht einmal mehr aufzustehen. Sie kam in die Psychiatrie, die Diagnose lautete: schwere depressive Episode.
Ihr Chef gehörte zu den Ersten, die Carola besuchten. Er brachte Blumen und Genesungswünsche mit – auf dass sie bald wieder in die Firma käme. Dabei solle sie sich alle Zeit lassen; seiner Unterstützung könne sie sich sicher sein. Daraufhin entschied sich Carola, offen mit ihrer depressiven Erkrankung umzugehen. Warum sollte sie sich verstecken? Also erzählte sie allen davon, ihrer Familie und Freunden, später auch den Kollegen und anderen Bekannten. Diese Haltung half ihr, die Depression zu überwinden. Und ganz nebenbei konnte sie noch anderen Menschen, die ebenfalls unter psychischen Problemen litten, den Rücken stärken.
Carolas Geschichte endete tatsächlich mit einem Happy End. Doch für viele Menschen, die an einer psychischen Störung leiden, liest sie sich wohl wie ein Märchen. Denn wer mit seiner Diagnose so offen umgeht, muss oft feststellen, dass nach wie vor negative Einstellungen und Vorurteile das Bild von psychisch Erkrankten in der Öffentlichkeit prägen – sie werden stigmatisiert ...
(Den vollständigen Artikel finden Sie zum Download unten in der Box "Gehirn und Geist digital")

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  • Quellen
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