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Medizin

Kein Herzinfarkt durch Sex

Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hinter sich haben, befürchten oft, durch sexuelle Aktivität einen weiteren zu erleiden. Diese Sorge ist wohl unbegründet, berichtet ein Team um den Ulmer Kardiologen Dietrich Rothenbacher. In einer Langzeitstudie beobachteten die Forscher 536 Herz­infarktpatientinnen und -patienten im Alter zwischen 30 und 70 Jahren über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg. Via Fragebogen erfassten sie dabei deren Lebensgewohnheiten einschließlich der sexuellen Aktivität.

Laut den Daten geht häufiger Geschlechtsverkehr nicht mit einem höheren Infarktrisiko einher. Im Gegenteil: Das Risiko einer zweiten Herzattacke war bei jenen Patienten, die sich öfter als einmal pro Woche sexuell betätigten, statistisch nur etwa halb so groß wie bei weniger aktiven Teilnehmern. Zudem löse Sex sehr selten ein kardiovaskuläres Ereignis direkt aus, betont Rothenbacher. Lediglich drei Studienteilnehmer erfuhren in den ersten zwei Stunden nach einem Geschlechtsakt einen Infarkt. Das entspricht 0,6 Prozent aller Probanden im Beobachtungszeitraum.

Die meisten Patienten können sich ohne Bedenken wieder der schönsten Nebensache der Welt hingeben, folgern die Autoren – nur bei besonderen Komplikationen seien Vorsicht und weitere Abklärung geboten. Damit entkräften sie die nach wie vor verbreitete Angst vor einem "mors in coitu". Nur relativ wenige Infarktpatienten werden diesbezüglich von ihrem Arzt beraten: Bei den Männern sind es etwa 50 Prozent, bei den Frauen lediglich rund 30.

November 2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft November 2015

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