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Projektionstechnik: Kino für Computerfreaks

Die digitale Projektion ist noch nichts für das Kino um die Ecke. Doch die Vorteile sprechen für sich.


Seit seinem ersten Krieg-der-Sterne-Film, vor 24 Jahren, war George Lucas immer einer der Ersten, wenn es darum ging, neue Technologien in der Filmindustrie zu verwenden. In seinem letzten Werk, "Episode I – Die dunkle Bedrohung", gab es fast 2000 Szenen mit digitalen Effekten. Aber Lucas ging noch einen Schritt weiter: Beim Kinostart im Sommer 1999 wurden einige Aufführungen in digitaler Technik realisiert. Klangqualität, Schärfe und Klarheit der Bilder schlugen das Publikum jeweils in ihren Bann. Dennoch hat diese gute Werbung der digitalen Projektion keinen Massenmarkt eröffnet – sie ist schlicht noch zu teuer.

Herkömmlich werden von einem fertig bearbeiteten Master-Film mehrere Negativ-Kopien gezogen und davon dann Tausende von Positiv-Rollen produziert, die ein Vertriebsunternehmen den angeschlossenen Kinos schickt.

Auch das digitale Kino erfordert den Master-Film, sofern nicht von vornherein in Bits und Bytes gearbeitet wurde. Die Einzelbilder werden gescannt beziehungsweise digitalisiert und in das zur Projektion benötigte Format konvertiert. Das Endprodukt ist eine extrem große Datei von durchschnittlich 1000 Gigabyte. Für die Vorführungen 1999 wurden die Dateien auf Festplatten an die Test-Filmtheater geliefert. Bei späteren Demonstrationen von Disney-Filmen mit geringerer Auflösung dienten digitale Videodisks (DVDs) als tragbare Speichermedien. Ideal wäre freilich der Versand via Kabel oder Satellit, doch das erfordert sehr leistungsstarke Breitband-Zugänge, die hohe Datenraten bewältigen können.

Bei den Tests 1999 kamen die miteinander konkurrierenden Projektionstechniken von Hughes-JVC Technology und der DLP-Abteilung von Texas Instruments zum Einsatz. Disney wählte Ende 1999 die DLP-Technik für die digitale Aufführung einiger Filme wie "Tarzan", "Toy Story 2" und "Mission to Mars" in zwölf Orten der USA und einigen außerhalb.

Ein digitaler Projektor verwendet das dreifarbige Rot-Grün-Blau-System (RGB), das zum ersten Mal 1801 von Thomas Young vorgeschlagen wurde. Es bildet auch die Grundlage der Farbfotografie, des Fernsehens und der Computermonitore. Jedes farbige Bild, das vom menschlichen Auge wahrgenommen wird, ist aus diesen drei Farben zusammengesetzt.

Beim DLP-Projektor spalten Prismen hochenergetisches weißes Licht (5000 Watt) einer Xenon-Lichtquelle in diese drei Farben auf und leiten sie separat auf einen so genannten DMD. Die Abkürzung steht für digital micromirror devices. Jeder dieser drei Minispiegel besteht seinerseits aus einem Raster von 1280 auf 1024 computergesteuerten Spiegeln, die nur so viel Licht einer Farbe zur Leinwand reflektieren, wie es die in der Filmdatei angegebene Intensität verlangt.

Ein Digitalfilm-Projektor ist genauso groß wie ein Standard-35-mm-Projektor und lieferte 1999 die gleiche Auflösung: 2000 horizontale Linien mit einem Kontrast-Verhältnis (Weiß zu Schwarz) von 1000 zu 1. Die Zahlen übersteigen die Leistungsfähigkeit selbst hochauflösender Fernsehschirme bei weitem, erreichen aber noch nicht die Leistungsmarken der 70-mm-Filme, die bei hoch budgetierten Blockbustern nach Art von "Krieg der Sterne" üblich sind: 3000 Linien und ein Kontrast-Verhältniss von 1200 zu 1.

Die Entwicklung dürfte aber weitergehen, denn das digitale Kino ist auch in finanzieller Hinsicht für die Filmindustrie interessant. Sie gibt im Jahr etliche Milliarden für Herstellung und Transport der Zelluloid-Filmrollen aus, in den USA sind es derzeit bis zu 5000 Kopien à 2000 Dollar, die Kosten für Versand und Logistik nicht eingerechnet. Nach etwa dreißig Aufführungen muss eine solche Kopie ersetzt werden. Festplatten ausreichender Kapazität kosten weniger als 15000 Dollar, halten beliebig lange und erlauben preiswerte und schnelle Kopien.

Vorteilhaft wäre es, könnte man die Filme digital über Satellit oder Kabel verschicken, eventuell sogar gleichzeitig an mehrere Filmtheater. Boeing hat im letzten Jahr aus diesem Grund die Houghes-Satellitensparte von General Motors gekauft und will darüber bald Tausende von Filmen gleichzeitig an Kinos in der ganzen Welt verschicken, nicht zuletzt auch an seine eigenen Flugzeuge. Cisco Systems und die 20th Century Fox demonstrierten im vergangenen Sommer den elektronischen Transfer via Internet. Anlass dafür war Supercomm, eine Computer-Konferenz in Atlanta, die sich mit Kommunikation beschäftigte. Die Übertragung der komprimierten 42-Gigabyte-Datei des animierten Films "Titan A. E." dauerte über Hochgeschwindigkeits-Verbindungen ungefähr zwei Stunden.

Leider nutzt diese Technik hauptsächlich den Filmstudios; Kinobetreiber würden mit erheblichen Umstellungskosten belastet: Ein digitaler Projektor kostet 250|000 Dollar, ein herkömmlicher nur 50000. Hinzu kommen enorme Aufwendungen für Umbauten und die Anpassungen der Audio-Anlagen. Studios und Hersteller haben deshalb Modelle für eine Kostenteilung vorgeschlagen, beispielsweise zinslose Darlehen für die Projektoren und unterschiedliche Eintrittspreise für Film- und digitales Material. Bislang blieben die Kinobetreiber unbeeindruckt. Es werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen, bis digitale Projektoren Standard sind.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 3 / 2001, Seite 94
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
3 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 3 / 2001

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