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Krebsevolution: Krebs - eine Nebenwirkung der Evolution?

Warum merzen Selektionskräfte den Krebs nicht aus? Im Gegenteil – die Evolution scheint ihm sogar Waffen zu liefern. Abwehrmechanismen gegen Krebs lohnen sich offenbar nur eingeschränkt.
Die natürliche Auslese – oder Selektion – schafft nicht Perfektion. Selektionskräfte fördern in Evolutionsprozessen hochkomplexe Anpassungen. Gegen körperliche Leiden sind wir trotzdem nicht gefeit. Zu den gefürchtetsten Krankheiten, wohl auch zu den am wenigsten verstandenen, gehört der Krebs. Ein bösartiger Tumor etwa ist seinerseits auf groteske Weise hervorragend daran angepasst, sich im Körper zu behaupten und die Oberhand zu gewinnen.

Krebszellen teilen sich wieder und wieder, auch noch dann, wenn ihre normalen Schwestern längst aufhören würden, sich zu vermehren. Sie verschaffen sich Platz, indem sie gesundes Gewebe um sich herum zerstören. Sie verstehen den Organismus zu überlisten, sodass er sie mit Energie für noch mehr Wachstum versorgt. Vertrackterweise ist Krebs bei all dem kein Fremdorganismus, kein von außen eingedrungener Parasit, sondern körpereigene Zellen wenden sich gegen uns. Merkwürdig auch, dass eine Krebserkrankung so viele Menschen heimsucht. Mindestens jeder Dritte muss statistisch gesehen damit rechnen.

Wie kann die Evolutionsbiologie das Phänomen Krebs erklären? Wie kann es sein, dass wunderbar zweckmäßige Anpassungen wie Augen oder Immunsysteme entstehen konnten, dass die Natur es aber nicht schaffte, den Krebs auszurotten? Biologen antworten darauf: Das scheinbare Paradox hängt mit der Evolution selbst zusammen. Einerseits entstanden in der Stammesgeschichte durchaus Schutzmechanismen – die aus verschiedenen Gründen allerdings nur in Grenzen helfen. Andererseits liefern manche hoch entwickelten Anpassungen dem Krebs geradezu sein Werkzeug.
September 2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft September 2007

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