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Medizin: Krebs riechen



Es klingt unglaublich, könnte aber eine Revolution in der Tumordiagnose einläuten: Eine elektronische Nase, konstruiert von Carrado Di Natale und seinen Mitarbeitern an der Universität Rom, vermag am Atem eines Menschen zu erkennen, ob er Lungenkrebs hat – jedenfalls im Spätstadium. Den eindrucksvollen Beweis dafür lieferte ein erster Test im Forlanini-Krankenhaus in Rom: Unter 60 Patienten, die freiwillig teilnahmen, erschnupperte die elektronische Nase genau jene 35, die zur Operation eines Lungentumors eingeliefert worden waren. Die verräterischen Geruchsstoffe sind langkettige Kohlenwasserstoffe und Benzolderivate, die aus noch unbekanntem Grund in der Atemluft der Erkrankten vorkommen. Für ihre Detektion benutzt das Team um Di Natale einen Sensor aus Schwingquarzkristallen, die mit einer bestimmten Sorte von Metalloporphyrinen überzogen sind. Diese absorbieren spezifisch die krebstypischen Atembestandteile, wodurch sich die Eigenschwingung der Kristalle ändert. Der Test dauert nur eine Minute und ist damit nicht nur viel einfacher und weniger belastend als die herkömmliche Bronchoskopie, sondern auch wesentlich schneller. Wenn sich seine Empfindlichkeit steigern lässt, sodass er auch frühere Krebsstadien erkennt, dürfte er sich deshalb für prophylaktische Routineuntersuchungen eignen. (New Scientist, 10.5.2003, S. 15)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2003, Seite 40
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2003

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