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Kurzmeldungen


Zuckerrübe für Diabetiker

Wissenschaftler um Andries J. Koops vom niederländischen Zentrum für Pflanzenzüchtung und Reproduktionsforschung in Wageningen konnten Zuckerrüben erzeugen, die statt Rohrzucker (Saccharose) den kalorienarmen Ersatzstoff Fructan produzieren. Dazu führten sie ein Gen aus dem Topinambur in die Zuckerrübe ein. Es codiert für ein Enzym, das Saccharose in Fructan überführt. („Nature Biotechnology“, September 1998, Seite 843)

Trinkwasser aus der Luft

Unter Leitung von Norbert Räbiger wurde am Institut für Umweltverfahrenstechnik der Universität Bremen eine Methode zur Gewinnung von Wasser aus Luftfeuchtigkeit entwickelt. Eine mobile Anlage von einem Kubikmeter Größe kann 1000 Liter Trinkwasser täglich liefern. Adsorbentien wie Kohle und bestimmte Polymere entziehen der Nachtluft Feuchtigkeit, die sich am Tag durch Sonnenwärme wieder austreiben und kondensieren läßt. Eine Pilotanlage soll nächstes Jahr in Jordanien erprobt werden.

Verspielte Tintenfische

Bisher sprach man nur Wirbeltieren die Neigung zu, Handlungen ohne unmittelbaren Nutzeffekt einfach zum Spaß immer wieder auszuführen. Nun konnten Jennifer A. Mather von der Universität Lethbridge (Alberta) und Roland C. Anderson vom Seattle Aquarium (Washington) erstmals spielerisch wirkendes Verhalten bei Wirbellosen beobachten. Wie sie auf einer Tagung der amerikanischen Animal Behavior Society in Carbondale (Illinois) im Juli berichteten, gaben sie acht Tintenfischen im Aquarium leere Plastikfläschchen. Alle Tiere probierten zunächst, ob die Behälter eßbar wären. Zwei aber beförderten sie danach mehrfach mit einem Wasserstrahl in den Zustrom des Tanks und ließen sie wieder auf sich zutreiben.

Verborgenes Gebirge unter der antarktischen Eisdecke

Radarsondierungen einer noch kaum erforschten Region der Antarktis, die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven unter Leitung von Heinz Miller durchführten, ent-hüllten unter dem bis zu 3500 Meter dicken Eisschild ein bisher unbekanntes Gebirge von der Größe der Alpen. Dies berichteten die Forscher auf dem Internationalen Symposium über die Glaziologie der Antarktis Anfang September in Lanzhou (China). Der Entdeckung zufolge hat die antarktische Eismasse ein geringeres Volumen als bisher angenommen und reagiert auch anders auf Klimaschwankungen.

Erdmagnetfeld derzeit ungewöhnlich stark

Das irdische Magnetfeld, das den schädlichen Sonnenwind abhält, dürfte sich in nächster Zeit nicht, wie befürchtet, umkehren. Derzeit ist es etwa doppelt so stark wie im Durchschnitt der letzten 150 Millionen Jah-re. Dies ergaben Untersuchungen der Magnetisierung entsprechend alter Basaltproben von den verschiedensten Orten weltweit durch Lisa Tauxe von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla (Kalifornien) und Kollegen. In den Gesteinen ist der Zustand des Erdmagnetfeldes zum Zeit-punkt ihrer Entstehung festgehalten. („Nature“, 27. 8., Seite 878).

Anthropogene Emissionen von Blei seit 6000 Jahren

Anhand der Bleikonzentrationen in den Torfschichten eines Moors im Schweizer Jura analysierten William Shotyk von der Universität Bern und Kollegen den Gehalt der Atmosphäre an dem giftigen Schwermetall während der letzten 14000 Jahre. Dabei fanden sie schon vor 6000 Jahren eine deutliche Zunahme, offenbar als Folge verstärkter Erderosion durch großräumige Rodungen der ersten Ackerbauern. Weitere Schwankungen korrelieren zum Beispiel mit Aufstieg und Fall des römischen Reiches oder dem Beginn der industriellen Revolution. („Science“, 11. 9., Seite 1635)

Antarktis macht Vorreiter für Klimaschwankungen

Über charakteristische Variationen des Methangehalts der in erbohrten Eis-proben eingeschlossenen Bläschen einstiger Luft ist es Forschern um Thomas Blunier von der Universität Bern gelungen, die aus Eiskernen in Grönland und der Antarktis gewonnenen Klimadaten der letzten Kaltzeit zu parallelisieren. Dabei zeigte sich, daß starken plötzlichen Erwärmungsphasen auf der Nordhalbkugel schwächere Temperaturerhöhungen im Südpolarbereich um gut 1000 Jahre vorausgingen. Diese führende Rolle der Antarktis bei Klimaumschwüngen ist mit derzeitigen Vorstellungen nicht zu erklären. („Nature“, 20. 8., Seite 739)

Künstlerisch begabte Neandertaler

Durchbohrte Zähne und Elfenbeinringe, die in der Grotte du Renne bei Arcy-sur-Cure in Frankreich zusammen mit 45000 Jahre alten Neandertaler-Knochen gefunden worden waren, galten bisher als Werk von modernen Menschen, die nachträglich an den Fundplatz geraten waren, oder bestenfalls als Imitate durch die Neandertaler. Ein Team um Francesco d’Errico vom Institut für Prähistorie und Geologie des Quartärs in Talence entdeckte nun jedoch Spuren von der Herstellung des Schmucks in der Fundschicht. Eine genaue Ana-lyse ergab zudem klare stilistische Unterschiede zu den künstlerischen Erzeugnissen zeitgenössischer moderner Menschen. („Current Anthropology“, August 1998, Seite 1)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 10 / 1998, Seite 22
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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