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Mikrobiologie: Leben im Untergrund



Absolute Finsternis, Temperaturen bis 60 Grad Celsius, enormer Druck, kein Sauerstoff und keine organische Nahrung Ð lebensfeindlicher kann eine Umgebung kaum sein. Und doch existieren Organismen unter diesen Bedingungen. In südafrikanischen Goldminen, deren Gänge mehr als drei Kilometer tief unter die Erde reichen, stießen Tullis Onstott von der Universität Princeton und seine Mitarbeiter in Hunderte von Jahrmillionen alten Einschlüssen heißen Wassers auf verschiedene Bakterien. Sie leben von gelöstem Wasserstoff und Sulfat. Diese Energielieferanten entstanden vermutlich bei der Spaltung von Wasser durch die radioaktive Strahlung des umgebenden Gesteins; der entstehende Sauerstoff oxidierte dann mineralisches Sulfid zu Sulfat. Das Nahrungsangebot ist jedoch so gering, dass sich die Mikroben wohl nur alle paar tausend Jahre oder noch seltener teilen. Mit ihrem ausgefallenen Speiseplan und der extremen Genügsamkeit dürften sie den ersten Lebensformen auf der Erde ähneln. Genetische Untersuchungen ergaben, dass die Zusammensetzung der Bakteriengesellschaft je nach Fundort stark variiert. Die in der größten Tiefe lebenden Mikroorganismen ähneln genetisch denen, die in heißen Quellen am Boden der Tiefsee vorkommen. (American Geophysical Union Meeting, 6.10.12.2002)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 2003, Seite 54
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
2 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 2 / 2003

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