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Zeugen der Urzeit: Leben in siedendem Wasser

Hochtemperaturmikroben gedeihen bestens unter wahrhaft höllischen Bedingungen, wie sie vermutlich auf der jungen Erde herrschten. Sie versprechen daher auch ein besseres Verständnis vom frühen Leben auf unserem Planeten.
Unser Körper funktioniert optimal bei einer Kerntemperatur von rund 37 Grad Celsius. Nur fiebrige fünf Grad mehr – und er steht das nicht lange durch. Normalerweise hält ein biologisches Thermostat unser Inneres penibel auf dem Sollwert. Bakterien ist das nicht möglich, sie sind in ihrem Stoffwechsel an die Temperaturen ihrer jeweils bevorzugten natürlichen Umgebung angepasst.

Krankheitserreger des Menschen beispielsweise vermehren sich entsprechend bei 37 Grad am schnellsten, Siedetemperaturen töten sie aber gewöhnlich sofort ab. Ziemlich keimfrei bekommen wir daher ein Lebensmittel wie Milch durch Pasteurisierung, eine Erhitzung auf 80 bis 100 Grad für wenige Sekunden. Dass für manche Mikroben aber hier überhaupt erst die Wohlfühltemperaturen beginnen, ihr Umfeld auch ansonsten sehr lebensfeindlich sein kann, ist eine der faszinierendsten Entdeckungen der letzten Jahrzehnte.

Solche Hochtemperaturmikroben muten wie Zeugen aus der Urzeit an. Die frühesten Lebewesen auf unserem Planeten sind zwar unbekannt. Vergleicht man jedoch die Lebensbedingungen der heutigen Hochtemperaturmikroben mit den aus geologischen Daten rekonstruierbaren Verhältnissen auf der Erde vor 3,5 bis 4 Milliarden Jahren, so könnten derartige Organismen bereits damals existiert haben.

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