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Künstliche Intelligenz: Lehrjahre des Roboters

Bislang hat die Natur nur einen Weg gefunden, Lebewesen mit Intelligenz ­auszustatten: die Kindheit. Auch für Maschinen gibt es keine Abkürzung, glauben Vertreter einer jungen Forschungsdisziplin - der Entwicklungsrobotik.
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"Allzweck-Haushaltsroboter – handle with care" stand auf dem großen Paket, das der Lieferdienst letzte Woche im Hausflur abstellte. Jetzt wohnt der kleine Blechkamerad schon mehrere Tage bei unserem Nachbarn und hat sich ganz gut eingelebt. Den Tagesablauf des älteren Herrn kennt er längst auswendig, die Wohnung hat er gleich am ersten Tag kartiert, und Haushaltsgeräte zu bedienen oder aus der Zeitung vorzulesen, ist ohnehin kein Problem für ihn. Die Medikamente reicht er stets auf die Minute genau, wie er es der Infodatei des Arztes entnommen hat. Um zu verstehen, welche der zahlreichen Grünpflanzen des Rentners wie viel Wasser bekommt, musste er allerdings zweimal von Blumentopf zu Blumentopf geführt werden, und auch beim Fensterputzen braucht er noch etwas Nachhilfe. Im Großen und Ganzen aber ist unser Nachbar zufrieden. Mit Hilfe des neuen Roboters hat er seinen Alltag wieder im Griff und kann zu Hause wohnen bleiben, statt ins Seniorenheim zu ziehen.
Ob solche Visionen jemals wahr werden? Schon jetzt umgeben uns Roboter in vielerlei Gestalt – als Maschinen im Industrie- und Dienstleistungssektor, als Spielzeuge und Unterhaltungsgeräte, als Lastenträger und Spione fürs Militär, als künstliche Assistenten des Menschen. Diese beeindruckende Vielfalt zeigt freilich auch, dass ein zentrales Problem bei der Entwicklung intelligenter Maschinen noch seiner Lösung harrt: Diese Roboter sind allesamt Spezialisten. "Asimo" ist der beste Läufer, "Max" ein brauchbarer Museumsführer, "Aibo" kann Fußball spielen, "iRobot" saugt Staub, "BigDog" schleppt Ausrüstung für US-Soldaten, "Kismet" kann Emotionen ausdrücken, der saurierähnliche "Pleo" begeistert Kinder, "Armar 3" reicht auf Zuruf ein Getränk und kann sogar die Spülmaschine ausräumen – wenn auch in einem Tempo, das jede Hausfrau in den Wahnsinn treiben würde.
Ein elektronischer Gefährte hingegen, der uns umsorgt und die lästigen Dinge des Alltags erledigt, müsste ein Generalist sein, der sich flexibel auf immer neue Situationen einstellen kann. In den alternden Gesellschaften der westlichen Industriestaaten, meinen viele Forscher, werden solche maschinellen Alleskönner künftig möglicherweise eine große Rolle spielen, indem sie auf vielerlei Weise dafür sorgen, dass wir länger im eigenen Haushalt leben können ...

September 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist September 2012

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  • Quellen

Csibra, G., Gergely, G.: Natural Pedagogy. In: Trends in Cog­nitive Sciences 13, S. 148–153, 2009

Lohan, K. S. et al.: Tutor Spotter: Proposing a Feature Set and Evaluating it in a Robotic System. In: International Journal of Social Robotics 4, S. 131-146, 2012

Lyon, C. et al.: Interactive Language Learning by Robots: The Transition from Babbling to Word Forms. In: PLoS One 7, e38236, 2012

Nomikou, I., Rohlfing, K. J.: Language Does something: Body Action and Language in Maternal Input to Three-Month-Olds. In: IEEE Transactions on Autonomous Mental Development 3, S. 113-128, 2011