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Leserbriefe



Satellitengelenkte Waffen
April 2003

Moderne Waffen ­Schwerverletzten erläutern
Man sollte dem Autor einen Dolmetscher zur Verfügung stellen und dann sollte er diesen Artikel als Vortrag in den irakischen Krankenhäusern halten, wo Tausende schwer verletzter und verstümmelter Zivilisten liegen. Er sollte in die Augen der Kinder sehen, die halbverbrannt sind oder denen Arme und Beine amputiert wurden und ihnen erklären, wie zielsicher die Bomben waren, die sie getroffen haben. Was könnte die Menschheit mit dem Geld, das sie für solche Waffen jedes Jahr ausgibt, Sinnvolles anfangen!
Arne Schönwald, Berlin

Kauf teurer und besserer Waffen rechtfertigen
20000 Dollar ist noch immer ein stolzer Preis für eine Waffe. Das führt dazu, dass sie nur auf Ziele gefeuert wird, die sich lohnen. Diese finden sich im Allgemeinen nur in der Ebene. Dort sind sie meistens größer und auch einfacher zu lokalisieren als in bergigen Gegenden. Deswegen ziehen Militärs, die solche Waffen haben, Kriege gegen Staaten mit viel Flachland denen gegen gebirgige Länder vor. Der Irak ist (außer im Norden) recht flach, also lässt sich dort schön Krieg führen, dort sind diese Waffen effektiv. Afghanistan hat nicht viel Flachland, also begnügt man sich dort damit, nur dieses zu halten. Die Zerstörung des World Trade Center und die Beschädigung des Pentagon wurden von 19 mit Messern bewaffneten und über vier Flugzeuge verteilten Verrückten ausgeführt. Gegen sie hätten keine GPS-Waffen geholfen. Die Militärs und Militärtechniker, die darüber nachdenken sollten, wie man sich dagegen wehrt, konzentrieren sich jedoch auf die Entwicklung von Waffen, deren Nutzen das Ende der Sowjetunion nicht überdauert hat. Man muss sie also loswerden, um zu beweisen, dass ihre teure Anschaffung gerechtfertigt war. Dann kann man sie ja auch wieder neu bauen – und besser.
Peter Leighton-Langer, Bensheim

Flöhe, Käfer und Leichtathleten
Physikalische Unterhaltungen, April 2003

Herr Bürger trifft mit seiner Darstellung, dass die Schnellkäfer Kopfschild und Hinterleib »mit einer Muskelfeder« blitzschnell zusammenziehen, nicht ganz den Sachverhalt. Eine genaue Darstellung findet sich in »Wunderbare Welt der Insekten« von Ulrich Sedlag (Urania, Leipzig 1978):»Während [der Schnellkäfer] ein ›hohles Kreuz‹ macht, rastet ein Zahn des vorderen Brustabschnitts am Vorderrand des folgenden Segments ein. Wird der Zahn ausgelöst, lassen ihn die gespannten starken Muskeln ... auf einer spiegelglatten Fläche in die Grube zurückgleiten, in der er normalerweise liegt. Von einer harten Unterlage kann der Käfer dadurch 20 oder 30 cm hochschnellen ...« Ähnliche mechanische Kopp­lungen wie beim Schnell­apparat dieser Käfer, die sich nur mit einem gewissen Kraftaufwand lösen lassen, gibt es in vielen Varianten in unserem Alltag, etwa bei Kettenkugeln von Plastik-Modeschmuck.
Dr. Wilfried Richter, Leipzig

Stroh statt Plastik
Wissenschaft in Unternehmen, März 2003

Die Umweltverträglichkeit eines Produktes hängt nicht nur von der Entsorgungsseite ab, sondern vom gesamten Rohstoff- und Lebenszyklus. Erst eine Ökobilanz erlaubt dazu Aussagen. Für Retrupor liegt eine solche nicht vor. Hier müssten, angefangen vom anteiligen Verbrauch an Dieseltreibstoff, Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln bis zur Strohproduktion, die ökologischen Kosten zur Herstellung der für Retrupor erforderlichen Fungizide, die Aufwendungen für die Aufbereitung von Cellulose aus Altpapier, die ökologischen Prozesskosten sowie Transport, Produktion und Einsatz von Naturkautschuk ermittelt und auf ein definiertes Verpackungspolster bezogen werden. Erst wenn die daraus resultierende ökologische Belastung günstiger wäre als die aus der Verwendung eines zum gleichen Zweck eingesetzten Styroporpolsters, könnte von ökologischem Vorteil gesprochen werden.
Haimo Emmingen, EPSY GmbH, Bad Homburg

Antwort des Autors:
Es ist unzweifelhaft, dass Kunststoffe in unserem Alltag einen wichtigen Platz einnehmen. Dennoch muss man fragen dürfen, wo sich Alternativen anbieten. Wir sollten uns erstens nicht auf Bewährtem und Althergebrachtem ausruhen und zweitens muss die Frage nach den Rohstoffen erlaubt sein. Es geht nämlich sowohl um deren Begrenztheit als auch um die beim Verbrennen entstehende CO2-Emission. Erstere wird nach Meinung von Zukunftsforschern alle Diskussionen um Lebensweg- oder Ökobilanzen zukünftig in den Hintergrund drängen. Nachwachsende Rohstoffe, zumal wenn sie aus heimischen Gefilden stammen, haben da unzweifelhaft einen Bonus, selbst wenn die eigentliche Ökobilanz, wie sie von einem Umweltinstitut oder Ingenieurbüro in hochkomplexen Berechnungsmodellen erstellt wird, auf den ersten Blick gar nicht so positiv ausfallen mag.Aber selbst das ist im Fall von Retrupor nicht gesagt, denn eine solche Ökobilanz ist derzeit noch in Arbeit. Nach bisherigem Kenntnisstand bestehen die Rohstoffe für Retrupor weitgehend aus bisher ungenutzten Reststoffen, für die keinerlei zusätzliche Fungizide eingesetzt werden.
Martin Boeckh

Schlote, die Schlamm statt Feuer speien
Januar 2003

Hierzu möchte ich ergänzen, dass in Rumänien, im Karpatenknie, oberhalb von Bucao, ein ähnliches Gebiet besteht, das schon den Römern bekannt gewesen ist. In einer Höhe von etwa 1000 m im Gebirge befindet sich eine unbewachsene Fläche aus grauem Ton von ca. 100 ´ 200 m Durchmesser. Innerhalb dieses Gebietes finden sich mehrere (ca. zehn) verschieden hohe »Vulkankegel« von 30 bis 50 cm Höhe, aus denen in regelmäßigen Abständen eruptionsweise graue Blasen aufsteigen, die an der Oberfläche zerplatzen. Das Wasser dieser Blasen sammelt sich auf der schiefen Fläche zu einem kleinen Bach, der in einem weißlich kristallinen Bett abfließt, während der Ton die kleinen Kegel bildet. Die aufsteigenden Blasen sind höchstens handwarm. Da die Gebirgsgegend sehr regenreich ist, ist davon auszugehen, dass die Kegel durch die Niederschläge abgetragen werden, sodass ihre Höhe sich kaum verändert.
Dr. Wolfgang Duncker, Bernau

Gladiatoren: Gespenstische Räuber
Februar 2003

Das Erscheinen des Artikels über die kürzlich entdeckte Gruppe der »Gladiatoren« ist sehr zu begrüßen. Er lenkt den Blick auf eine naturwissenschaftliche Disziplin, die in der öffentlichen Wahrnehmung eher ein Schattendasein fristet. Indem er auf die Zufälligkeit der Entdeckung der neuen Insektenarten hinweist, beleuchtet er zugleich das Dilemma der Systematik und Taxonomie artenreicher Tiergruppen: den eklatanten Mangel an Kennern der Materie.Der spektakuläre Anlass des Artikels ist die Aufstellung einer neuen Insektenordnung. Ihre Berechtigung soll hier nicht bestritten werden – ihre im Text gebotene Begründung scheint mir jedoch nicht überzeugend. Es wird vor allem auf die Mixtur äußerer Merkmale hingewiesen, welche einzeln oder in anderer Kombination auch bei benachbarten Ordnungen auftreten. Beim Vergleich mit einer der großen Insektenordnungen, den Käfern, findet man dort die meisten zur Differenzierung der neuen Ordnung der Gladiatoren angeführten Merkmale bereits bei der nächstniedrigeren Kategorie, d. h. im Rahmen von Familien, vereinigt. Die Spektrum-Leser sind durchaus schwere Kost gewohnt – ich meine, sie hätten eine anspruchsvollere Begründung der neuen Insektenordnung erwarten können (falls es sie gibt).
Dr. Horst Kippenberg, Herzogenaurach

Sinkende Impfbereitschaft
Leserbriefe, Mai 2003

Herrn Lange ist in einigen Punkten durchaus zuzustimmen, nicht aber bei der Verwechslung einer »Erkältung« mit einer echten Grippe. Und da Herr Breuer in seinen Ausführungen vornehmlich diese Krankheit im Auge hatte, muss man ihm hier unbedingt Recht geben. Die Grippeschutzimpfung wird durchweg gut vertragen, von wenigen Ausnahmefällen abgesehen. Im Interesse der Allgemeinheit wäre eine möglichst hohe Impfbeteiligung zu wünschen. Nur auf diese Weise besteht die Aussicht, gegebenenfalls eine Epidemie, die mit Sicherheit zahlreiche Todesopfer forderte, zu verhüten.
Dr. Karl Mertlich, Meckenheim

Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2003, Seite 6
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
7 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 7 / 2003

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