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Leserbriefe



Das neue Einmaleins von Wasserstoff und Sauerstoff
Forschung aktuell, März 2003

So neu ist dieses Einmaleins nun auch nicht, zumindest was das Wasserstofftrioxid (H2O3) angeht. Schon 1993 haben zwei Chemiker an der Universität Ljubljana das Molekül bei –78 °C gewonnen und gefunden, dass es auch bei Zimmertemperatur noch nicht völlig zerfallen ist. Sie nutzten die sonst für die großtechnische Herstellung von Wasserstoffperoxid angewandte Methode. Während nämlich die direkte Hydrierung von Sauerstoff zu Wasserstoffperoxid (O2 + H2 -> H2O2) nicht praktikabel ist, gelingt sie mit 2-Ethylanthrahydrochinon. In gleicher Weise kann Ozon (O3) zum Wasserstofftrioxid hydriert werden. Das in beiden Fällen entstehende 2-Ethylanthrachinon lässt sich mit Wasserstoff und Nickel oder Palladium als Katalysator in das Hydrochinon zurückführen, sodass in summa die einfachen Hydrierungen von O2 und O3 verwirklicht werden.
Prof. Dr. Alfred Schmidpeter, München

Ursprung der Menschheit
März 2003

Körperbau, Schädelform, Lage und Größe des Gehirns sind "materielle" Grundlagen, die über die Menschwerdung wenig aussagen. Welche "nicht-materiellen" Informationen konnten verarbeitet werden? Wann setzte das rationale, kritische Denken ein? Das schließlich unterscheidet den Menschen von seinen Vorgängern. Was ist Intelligenz? Die Überlebensfähigkeit von Insekten? Die navigatorische Leistung des Monarch-Falters, einen Kontinent trotz fehlender aerodynamischer Voraussetzungen zielgenau zu überqueren? Der kunstvolle Nestbau eines Rohrsängers? Oder die agrarwirtschaftliche und ingenieurtechnische Glanzleistung, die zur Austrocknung das Aralsees geführt hat? Solange wir uns – nicht nur in diesem Bereich – an materielle Grundlagen klammern, werden wir die wirklichen Geheimnisse nicht einmal andeutungsweise erkennen.
Lothar H. W. Thielmann, Wiesbaden

Ist jedes Rechteck ein Trapez?
Nachgehakt, April 2003

Vereinfachung mithilfe der Trapezformel
Als ehemaliger Berufsschullehrer habe ich mit meinen Schülern, unabhängig von deren schulischer Vorbildung, bei Ausbildungsbeginn immer die für den Berufsschulunterricht notwendigen mathematischen Grundlagen wiederholt. Bezüglich der Berechnungen von Flächen waren nur Quadrat, Rechteck, Parallelogramm, Dreieck, Trapez und Kreis von Bedeutung. Wenn man von der Kreisfläche einmal absieht, lassen sich alle anderen oben genannten Flächen mit nur einer einzigen Formel, nämlich der Trapezformel, berechnen. Die Schüler empfanden das durchweg als eine Vereinfachung. In den mir bekannten Mathematikbüchern kann ich keinen Hinweis darauf finden, dass nicht nur die Vierecke (mit zwei parallelen Seiten), sondern auch Dreiecke eigentlich Trapeze sind.
Eduard Schmidt, Hürup

Formulierung präzisiert
Den zitierten Lexikontext, ein Trapez sei "ein ebenes Viereck mit zwei parallelen, nicht gleich langen Seiten", haben wir schon Mitte 1999 geändert, eben um die Formulierung zu präzisieren. Inzwischen ist kein Printwerk der Großen Brockhaus-Enzyklopädie erschienen, dafür sind wir (seit etwa 2000) im Internet-Portal "http://www.xipolis. net" präsent und haben im vergangenen Jahr das Werk auf CD herausgebracht. Im fünfbändigen Brockhaus (erschienen 2000) und im Meyer-Taschenlexikon in 25 Bänden (letzte Ausgabe 2001) finden Sie den korrigierten Text, ebenso wie auf der CD/DVD Brockhaus Multimedial Premium (seit 2000). Trotzdem tut es uns natürlich sehr Leid, dass manche (früheren) Auflagen unserer Werke einen nicht korrekten Artikel enthalten.
Ingrid Schröder, Bibliographisches Institut &
F.A. Brockhaus AG,
Leipzig

Der deutsche Atomausstieg findet kaum Nachahmer
Technologie-Report, April 2003

Nach den Angaben des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) und des Atomforums hat die öffentliche Hand für Forschung und Entwicklung von 1956 bis 1999 insgesamt 30 Milliarden DM an die Atomindustrie gezahlt. Das ist das 120fache des im Artikel genannten Betrages von 250 Millionen DM. Gegen die Atomenergie spricht auch folgender wesentliche Grund: Die Nichtbeherrschbarkeit der Atomtechnik zeigt sich auch daran, dass Atomkraftwerke nicht zu versichern sind. Jeder Betrieb muss entsprechend dem möglichen Schadensumfang versichert werden. Atomkraftwerke, die bei einem GAU in Deutschland einen Schaden von ca. 10 Billionen DM verursachen können, werden dagegen von keiner Gesellschaft der Welt versichert (nur bis 500 Millionen DM, entsprechend 0,05 Promille). Die Atomkraftwerksbetreiber müssten eigentlich eine Rückstellung haben, die auch nach einem GAU noch verfügbar wäre. Das hätte zur Folge, dass die Kilowattstunde Atomstrom 3,60 DM kostet (Berechnung des Prognos-Instituts, Zürich, 1992). Den billigen Atomstrom zahlt letztlich der Steuerzahler.
Prof. em. Wolfgang Latzel, Paderborn

Erstes supraflüssiges Gas erzeugt?
Forschung aktuell, April 2003

Naturwissenschaftlern die richtige Staatsangehörigkeit zuzuordnen ist heikel, sie sind nämlich global mobil. In diesem Beitrag wird Wolfgang Pauli als Schweizer vorgestellt. Geboren ist er in Wien, 1946 wurde er US-Bürger, vor und nach dem Krieg war er Professor in Zürich, wo er 1958 starb. Hatte er die schweizerische Staatsbürgerschaft erworben? Emilio Segrè in "Die großen Physiker und ihre Entdeckungen" und Otto Frisch in "What little I remember" sehen in ihm einen Österreicher und Wiener. Als er 1925 das Ausschließungsprinzip fand, war er übrigens als Dozent in Hamburg (1923–1928).
Werner Bode, Waake

Die Alltagsdroge Koffein
Juni 2003

Die Darstellung insbesondere der historischen Aspekte des Kaffees sowie der Wirkung seiner Inhaltsstoffe hat mir sehr gut gefallen. Als wissenschaftliche Zeitschrift sollten und sind Sie bemüht, selbst komplizierte Sachverhalte auch für Laien bzw. Fachfremde nachvollziehbar wiederzugeben. Dass hierzu vereinfachte und abstrahierende Schemata zur Anwendung kommen, ist vollkommen gerechtfertigt. Zu weit geht diese Reduktion jedoch bei der Abbildung auf Seite 67, wo sogar die Strukturformel des Koffeins durch Weglassen der Heteroatome "reduziert" wird. Dies ist irreführend, denn so mancher an Chemie Interessierte könnte auf die Idee kommen, dass die Struktur des Moleküls eben genauso aussieht. Die meisten Leser, auch ich, nehmen an, dass alle Informationen im Spektrum-Heft wissenschaftlich korrekt sind.
Dr. Harald Lanig, Erlangen

Geziefer im Gehirn
Essay, Mai 2003

Der geradezu masochistisch anmutenden Tendenz zur Erniedrigung des Menschen im Essay muss widersprochen werden. Wir sind bestimmt klüger als Tollwutviren und Toxoplasmose-Erreger und darüber hinaus sogar mit Sicherheit die klügste Spezies auf Erden. Die faszinierende Evolution hat uns ein Gehirn angezüchtet, mit dem wir Viren und fremde Welten erforschen können. Wir manipulieren dieses Gehirn seit langem sehr effektiv durch Erziehung und Drogen, seit kurzem durch Psychopharmaka, freilich nicht immer zu unserem Nutzen. Wir sollten stolz sein auf unsere mentalen und emotionalen Fähigkeiten und sie auf breiter Basis vermehrt zur Lösung sozialer Probleme einsetzen. Wenn wir das Denken und Planen den Wirtschaftsbossen, Rüstungsexperten u. a. überlassen, könnten nach einem Umwelt-Holocaust tatsächlich die niedrigsten Organismen überleben und sich somit im Sinne des Autors als die "Klügsten" erweisen.
Dr. Hannes Klein, Bergheim, Österreich

Erratum
Die Kolam-Figuren Südindiens, Juni 2003

Die Ersetzungsregel des Schlangen-Kolams auf Seite 79 muss lauten: B®B+F+B--F--B+F+B (Die vier Striche waren durch ein Versehen entfallen.) Rolf Krüger hat uns auf den Fehler aufmerksam gemacht.
Die Redaktion

Aus: Spektrum der Wissenschaft 8 / 2003, Seite 6
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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