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Leserbriefe



Laser für Leser
Wissenschaft in Unternehmen, Juli 2003

Ist der Augapfel zu kurz, müssen die auf das Auge treffenden Strahlen generell stärker gebrochen werden als beim normalen Auge. Nahe Gegenstände können nicht scharf gesehen werden, da sich die Linse nicht über das normale Maß hinaus krümmen kann. Weit entfernte Gegenstände können dagegen scharf gesehen werden, wenn die Linse nicht – wie üblicherweise beim "Fernsehen" – abgeflacht wird, sondern sich krümmt. Die Aussage "... ist es [das Auge] zu kurz, sieht man nur in der Nähe gut ...", ist also nicht richtig.
Claudia Polzin, Berlin

Aufdringliche Duschvorhänge
Physikalische Unterhaltungen,
Juni 2003

Das Problem mit dem in die Kabine drängenden Duschvorhang haben wir für uns bereits vor über zwanzig Jahren gelöst. Obwohl man meinen sollte, dass der auf den Vorhang gerichtete Luftstrom eines Elektro-Heizlüfters diesen noch weiter in die Dusche drängen sollte, geschieht das genaue Gegenteil: Ein Druckausgleich findet statt, und der Vorhang hängt nun wunderbar gerade. Gleichzeitig wird kurzfristig dem erhöhten Wärmebedarf insbesondere in den kälteren Monaten Rechnung getragen.
Heino Dompke, Rosendahl

Der Charme des Champagners
Juli 2003

In seinem Artikel begründet der Autor Gérard Liger-Belair die Größenzunahme der im Glas aufsteigenden Champagner-Perlen mit einer kontinuierlichen Zunahme der Kohlendioxid-Diffusion. Ein wesentlicher Teil der Volumenzunahme beruht aber wohl auf der Abnahme des hydrostatischen Drucks der umgebenden Flüssigkeit, ähnlich der Ausdehnung der komprimierten Luft in der Lunge eines aus der Tiefe aufsteigenden Tauchers, wenn er seine Pressluftflaschen am Grund einmal zurücklassen müsste.
Dr. C. Brandlmaier, Wels, Österreich

Die Herkunft von Ötzi
Juli 2003

Die Autoren erwähnen, dass im Magen-Darm-Trakt der Mumie Moose gefunden wurden. Es kann durchaus sein, dass Ötzi diese bewusst als Heilmittel zu sich genommen hat und nicht nur unabsichtlich als anhaftende Verpackungsreste an der sonstigen Nahrung. Prof. Frahm vom Institut für Bryologie (Mooskunde) an der Universität Bonn hat zum Beispiel einmal im Selbstversuch einen alkoholischen Moosextrakt zu sich genommen und dabei eine wohltuende Wirkung auf den Verdauungstrakt festgestellt. Moose enthalten nämlich hochpotente fungizide Wirkstoffe und sind auch antibakteriell wirksam. (Die Wikinger haben etwa Fisch in Torfmoos eingeschlagen, um ihn haltbarer zu machen.) Darüber hinaus enthalten Moose auch zellteilungshemmende Wirkstoffe, die mindestens in vitro das übermäßige Wachstum von Mäusekrebszellen auf das normale Maß zurückführen.
Dr. Stefan Brosig, Stuttgart

Paralleluniversen
August 2003

Andere Universen jenseits unseres kosmischen Horizonts, das mag ja noch angehen. Doch wenn die Kosmologen Universen diskutieren, die sich verknotet in diversen Raumdimensionen, mit völlig anderen physikalischen Gesetzen auf mehreren Zeitachsen in unendlicher Parallelität entwickeln, dann ist es doch wohl einfacher, das große Buch der Kosmologie endgültig zuzuklappen. Und man sollte dem lieben Gott das Terrain überlassen, für den ja nun, uneingeschränkt durch konventionelle naturwissenschaftliche Vorgaben, genügend Platz vorhanden ist. Aber nein, nicht einem lieben Gott, sondern 10 hoch 10 hoch 28 Götzen, lieben und bösen, positiven und negativen, rechtshändigen und linkshändigen, solchen mit und ohne Charme, gleichgültigen ...
Dr. Wilfried Stoll, Möhnese

Die Kolam-Figuren Südindiens
Juni 2003

Die auf S. 76 abgebildeten Figuren b, e und f lassen sich wie die Figur d in Untereinheiten zerlegen. Wenn man sie mit Farbe nachzieht, erkennt man, dass die Figur e aus drei geschlossenen Kurven besteht, von denen zwei zueinander punktsymmetrisch sind.Die Figuren b und f lassen sich jeweils in vier kongruente, geschlossene Kurven zerlegen, die von einer Randlinie umrundet werden.
Doris Kurz, Altbach

Mineralwasser
Wissenschaft im Alltag
August 2003

Das Mineralwasser enthält kein metallisches "Eisen, das rosten kann", sondern ein lösliches, unter Luftabschluss beständiges Eisensalz (das Eisenhydrogencarbonat). Vom Sauerstoff der Luft wird es oxidiert und hydrolysiert dann zum Eisenhydroxid (4 Fe(HCO3)2 + O2 + 2H2O ® 4Fe(OH)3 + 8CO2), das unlöslich ist, sich in braunen Flocken abscheidet, das Wasser unansehnlich macht und deshalb abfiltriert wird.
Alfred Schmidpeter, München

Götterwahn und Menschenopfer
Forschung und Gesellschaft
August 2003

Das Foto auf S. 76 zeigt nicht das Areal vom "Templo Mayor", sondern den "Platz der drei Kulturen" in Tlatelolco, einige Kilometer weiter nördlich, wobei zur Zeit der Azteken Tlatelolco eine eigenständige Stadt neben Tenochtitlan und der Hauptmarkt war. Heute ist alles zu einer Stadt zusammengewachsen.
Blanca Frisch de Flick und Prof. Heiner Flick, Marktoberdorf

Kraftwerke der Zukunft
Technologie-Report,
April 2003

Ein Aspekt wird bei der Betrachtung regenerativer Energien immer wieder vernachlässigt: Biogas. Auf lange Sicht werden wir nicht nur eigens als Energie- und Rohstoffträger angebaute Pflanzen nutzen, sondern auch vergärbare Abfälle wie Grünschnitt von Autobahnen und Parkanlagen zur Rohstoff- und Energiegewinnung einsetzen müssen.
Dr. Andreas Fuß, Staufenberg

Hilfsbereit und höflich?
Editorial,
August 2003 

Die Erwähnung der Ereignisse am Münchner Olympiasee, bei dem zwei Buben trotz vieler Zuschauer ertranken, hat wieder alte Erinnerungen aufgerufen und mich sehr betroffen gemacht. Es war dies nämlich keineswegs das erste Mal, dass so etwas passiert ist. In der Neujahrswoche 1971/72 sah ich aus wohl hundert Meter Entfernung, wie zwei etwa zehnjährige Mädchen an derselben Stelle ins Eis einbrachen. Binnen Sekunden standen fünfzig bis hundert Leute am Seerand und rührten sich nicht. Sie schauten einfach nur zu. Während sich das eine Mädchen schnell aus dem Wasser retten konnte, geriet das andere immer mehr in Panik, die Leute schauten immer noch zu. Nach einem kurzen Spurt zum Ufer begab ich mich aufs Eis; als es unter mir zu krachen begann, legte ich mich auf den Bauch und erreichte das Mädchen. Erst als ich es mangels eigenem Halt nicht herausziehen konnte, lösten sich endlich zwei junge Männer aus der Menge und zogen mich und das Mädchen an meinen Beinen wieder auf festes Eis. Mit dem pitschnassen Kind im Arm lief ich ins Restaurant des Olympiaturms, wo man mir Zutritt und Hilfe verwehrte. In meiner Not zog ich es aus und stellte es in der Damentoilette unter den Händetrockner, bis endlich der Rettungswagen kam, den ich auch noch selbst rufen musste.

Irgendwie ist das alles sehr komisch. Warum habe ich geholfen? Es schien mir so selbstverständlich. Und warum die anderen nicht, die doch viel näher dran waren? Es war wie ein Bann, der auf der Menge lastete, der teilweise dadurch gebrochen wurde, dass sich dann doch einer bewegte. Aber warum half auch nachher keiner im Restaurant, zumindest mit einem Tischtuch zum Umhängen oder vielleicht einer Couch im Büro des Geschäftsführers? Wenn ich dann von den zwei Buben höre, die dort vielleicht zehn Jahre später ums Leben kamen, plagen mich irrationale Gewissensbisse, warum ich denn nicht zur Stelle war. Es hat ein bisschen wehgetan, dass ich als junger Student die Reinigung meines Mantels selbst zahlen musste, und auch sonst, wie niemand von den Ereignissen Notiz nahm. Aber die großen braunen Augen des Mädchens, voller Todesangst und voller Lebenshoffnung, als ich Zentimeter für Zentimeter näher robbte, sehe ich immer noch vor mir, und das ist eine Belohnung, die nur ich bekam, und keiner von den Gaffern.
Peter Solymosi, Polling

Aus: Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003, Seite 6
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
10 / 2003

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 10 / 2003

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