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Living Reviews



Was liest der Astronom, der sich bislang mit Fragen der Sternentstehung beschäftigt hat, sich nun aber den Millisekunden-Pulsaren zuwenden möchte? Was die junge Physikerin, die sich in Vorbereitung ihrer Doktorarbeit mit Existenztheoremen für Lösungen der Einsteingleichungen auseinander setzen soll? Fachbücher zu so fortgeschrittenen und speziellen Themen sind rar.

Die Lösung: so genannte Review-Artikel, in denen Wissenschaftler zu begrenzten Themenbereichen ihres Fachgebiets den neuesten Forschungsstand aufzeigen, bisherige Ergebnisse zusammenfassen und einen Überblick über relevante Veröffentlichungen geben. Doch die Forschung schreitet fort, der Review-Artikel bleibt, einmal gedruckt, unverändert und gibt den aktuellen Wissensstand immer unvollständiger wieder – ärgerlich nicht nur für die Leser, sondern auch für den Autor, der hilflos zusehen muss, wie sein Werk mehr und mehr veraltet.

Abhilfe schaffen – zumindest für den Bereich der Relativitätstheorie – die "Living Reviews in Relativity". Die web-basierte elektronische Zeitschrift hat es sich zur Aufgabe gemacht, "lebende" Review-Artikel zu veröffentlichen, die von ihren Autoren betreut und fortlaufend aktualisiert werden. Seit der ersten Ausgabe 1998 sind zwanzig Artikel erschienen – mit einem Themenspektrum, das von der Mathematik partieller Differenzialgleichungen bis zur beobachtenden Astrophysik reicht. Die Idee zu dem Review-Journal der anderen Art stammt von Bernard Schutz, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Golm bei Potsdam, das auch als Herausgeber der Zeitschrift fungiert.

Ein Beispiel, von dem sich sicherlich auch Wissenschaftler anderer Disziplinen wünschen werden, dass es Schule macht. An den Machern der "Living Reviews" soll es nicht liegen: Sie haben vor, den Programmcode, der ihre Zeitschrift zum Laufen bringt, als Softwarepaket allgemein zugänglich zu machen.

Die "Living Reviews in Relativity" finden sich in elektronischer Form unter http://www.livingreviews.org

Aus: Spektrum der Wissenschaft 3 / 2001, Seite 97
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
3 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 3 / 2001

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