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Sprache und Gehirn: Lob des Lesens

Genüsslich zu schmökern ist weit mehr als ein angenehmer Zeitvertreib: Laut neuen ­Erkenntnissen schult es nicht nur die Konzentration und das Einfühlungsvermögen, sondern kann auch dem geistigen Abbau im Alter vorbeugen.
Lesen!Laden...
Der viel beschworene Untergang der Lesekultur in unserem Land ist bislang aus­geblieben. Laut einer großen Umfrage der Stiftung Lesen von 2008 widmen sich rund 30 Prozent aller Jugendlichen und Erwachsenen mehrmals pro Woche oder sogar täglich der Buchlektüre. Diesen Viellesern steht allerdings eine fast ebenso große Gruppe an Lesemuffeln gegenüber. Jeder Vierte liest nach eigenen Angaben "nie" ein Buch – vor allem, weil es "zu anstrengend" ist oder zu "viel Zeit kostet".
Das ist bedauerlich – denn Studien belegen inzwischen: Insbesondere das Schmökern in ­Büchern prägt die geistige Entwicklung noch stärker als vermutet. So schult intensives, häufiges Lesen nicht nur Wahrnehmung, Konzentration und Einfühlungsvermögen. Es bewirkt auch anatomische Veränderungen im Gehirn ...
Oktober 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Oktober 2010

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  • Quellen
Literaturtipp

Dehaene, S: Lesen. Die größte Erfindung der Menschheit und was dabei in unseren Köpfen passiert. Knaus, München 2010.
(erscheint am 27.09.2010)
In seinem neuen Buch schildert Stanislas Dehaene die komplizierte Schönheit eines Phänomens, das uns ganz selbstverständlich erscheint: die Fähigkeit, auf einem Blatt Papier versammelte Zeichen in Sprache zu übersetzen.


Quellen

Castro-Caldas, A. et al.: Influence of Learning to Read and Write on the Morphology of the Corpus Callosum. In: European Journal of Neurology 6(1), S. 23-28, 1999.

Castro-Caldas, A. et al.: The Illiterate Brain. Learning to Read and Write during Childhood Influences the Functional Organization of the Adult Brain. In: Brain 121, S. 1053-1063, 1998.

Keller, T. A., Just, M. A.: Altering Cortical Connectivity: Remediation-Induced Changes in the White Matter of Poor Readers. In: Neuron 64, S. 624-631, 2009.

Levine, L. E. et al.: Electronic Media Use, Reading, and Academic Distractibility in College Youth. In: CyberPsychology and Behavior 10(4), S. 560-566, 2007.

Mar, R. A. et al.: Bookworms Versus Nerds: Exposure to Fiction Versus Non-Fiction, Divergent Associations with Social Ability, and the Simulation of Fictional Social Worlds. In: Journal of Research in Personality 40, S. 694-712, 2006.

Mar, R. A. et al.: Exploring the Link between Reading Fiction and Empathy: Ruling out Individual Differences and Examining Outcomes. In: Communications 34, S. 407-428, 2009.

Speer, N. K. et al.: Reading Stories Activates Neural Representations of Visual and Motor Experiences. In: Psychological Science 20(8), S. 989-999, 2009.

Verghese, J. et al.: Leisure Activities and the Risk of Dementia in the Elderly. In: The New England Journal of Medicine 348(25), S. 2508-2516, 2003.