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Lügen: Wenn die ­Wahrheit ­Pause macht

Die Lüge hat einen schlechten Ruf. Dabei zählt sie zu den höchsten Leistungen, zu denen der menschliche Geist fähig ist. Doch wie verrät sie sich?
Eine hölzerne Pinocchio-Figur.Laden...

Herr Pinocchio war 51, hochrangiger Beamter bei der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und litt an Epilep­sie. Einer seltenen Form der Reflex­epilepsie, um genau zu sein: Wann immer er bei einem Meeting zu einer Lüge ansetzte, suchte ihn eine krampfartige ­Attacke heim und er verlor das Bewusstsein. Wie bei der ­bekannten Kinderbuchfigur, der bei jeder Flunkerei eine lange Nase wächst, wurden die Lügen für seine Verhandlungspartner dadurch sofort ersichtlich. Die Krankheit war also nicht nur gefährlich, sondern auch schlecht für die Karriere. Seine Ärzte in der Straßburger Uniklinik fanden rasch die Wurzel des Übels: Ein etwa walnussgroßer Tumor drückte auf den mittleren Schläfenlappen – und damit auch auf die Amygdala, die mit dem Verarbeiten von Emotionen in Verbindung gebracht wird. Der Tumor, so schlossen die Ärzte, machte dieses Kerngebiet besonders leicht erregbar, was dann in den Krampfanfällen gipfelte. Nach Entfernung des Tumors hörten die Attacken auf. Endlich konnte der Beamte wieder ungehindert seiner Arbeit nachgehen ...

5/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2018

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  • Quellen

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Debey, E. et al.: From Junior to Senior Pinocchio: A Cross-Sectional Lifespan Investigation of Deception. In: Acta Psychologica 160, S. 58-68, 2015

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Greene, J. D., Paxton, J. M.: Patterns of Neural Activity Associated with Honest and Dishonest Moral Decisions. In: PNAS 106, S. 12506-12511, 2009

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Sellal, F. et al: »Pinocchio Syndrome«: A Peculiar Form of Reflex Epilepsy? In: Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry 56, S. 936, 1993

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