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Mikrobiologie: Magenbakterium enthüllt Wanderwege



Des Menschen treuester Begleiter ist offenbar nicht der Hund, sondern das Magenbakterium Helicobacter pylori. Mikrobiologen am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie wollen die uralte gemeinsame Geschichte von Parasit und Wirt dazu nutzen, frühe Wanderungsbewegungen des Menschen nachzuvollziehen. Dazu überprüften sie zunächst mit Hilfe genetischer Methoden das Verwandtschaftsverhältnis der Bakterien in verschiedenen Ländern. Dabei konnten sie mit einem neuen Rechenverfahren fünf Urpopulationen rekonstruieren, aus denen sich die heutigen sieben Stämme von H. pylori entwickelten. Wie sich herausstellte, besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Verbreitung der Nachkommen dieser bakteriellen Gründergenerationen und den frühen Migrationsbewegungen ihrer menschlichen Wirte. Während etwa so gut wie alle modernen ostasiatischen Magenbakterien auf eine einzige lokale Urpopulation zurückzuführen sind, hat der moderne europäische Vertreter von H. pylori einen zentralasiatischen und einen nahöstlichen Vorfahren. Nun wollen die Forscher den Spieß umdrehen und mit Hilfe der Magenbakterien unter anderem endlich die alte Streitfrage klären, ob die Bewohner Polynesiens aus Ostasien oder aus Südamerika stammen. (Science, 7.3. 2003, S. 1528)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2003, Seite 65
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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