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Maria Sibylla Merian - Künstlerin und Naturforscherin zwischen Frankfurt und Surinam


Etwa 100 Aquarellmalereien auf Pergament, das einmalige Studienbuch und Sibylla Merians äußerst seltene, handkolorierte Kupferstichwerke – das frühe "Blumenbuch", das "Raupenbuch" und die großformatige "Metamorphosis insectorum Surinamensium" – stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Viele der großartigen Aquarelle mit den Metamorphosen von Insekten und deren Nahrungspflanzen werden zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Dazu gehören insbesondere die 43 Aquarelle aus dem Sankt Petersburger Archiv der Akademie der Wissenschaften, die Zar Peter der Große in den Jahren 1716/17 zusammen mit weiteren Blättern von der Künstlerin erwarb. Mehr als 40 europäische Museen, Archive und Privatsammlungen haben Leihgaben zur Verfügung gestellt.

Als Künstlerin und Naturforscherin führte Maria Sibylla Merian (Bild 2) im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert ein selbstbewußtes, vielseitiges und für die damalige Zeit außergewöhnliches Leben. Sie wurde am 2. April 1647 als Tochter des berühmten Kupferstechers und Verlegers Matthäus Merian d. Ä. (1593 bis 1650) in Frankfurt am Main geboren. Nürnberg, eine Labadistengemeinde im niederländischen Westfriesland und das weltoffene Amsterdam waren dann weitere Lebensstationen. Im Jahre 1699 begab sie sich mit einer ihrer beiden Töchter auf eine gefahrvolle Schiffsreise in die niederländische Kolonie Surinam, um dort die Welt exotischer Schmetterlinge zu erforschen.

Künstlerisch ausgebildet wurde Sibylla Merian von ihrem Stiefvater Jacob Marrel, einem Schüler von Georg Flegel (1566 bis 1638), der als einer der ersten Maler das Stilleben als eigene Gattung pflegte. Mit 13 Jahren begann sie mit der Beobachtung von Insekten. Bald schon erforschte sie systematisch die Entwicklung der Schmetterlinge, die noch Mitte des 17. Jahrhunderts weitgehend unbekannt war. Außer Blumen- und Fruchtstilleben malte sie von nun an farbenprächtige Aquarelle, auf denen sie detailreich die Metamorphose der Schmetterlinge zusammen mit ihren Nahrungspflanzen darstellte.

Als Mutter von zwei Töchtern, seit etwa 1685 von ihrem Mann getrennt lebend, war Sibylla Merian auch Lehrerin und Unternehmerin. Sie unterrichtete Frauen im Zeichnen und handelte mit Farben sowie mit Schmetterlingen und Reptilien, die sie selber präparierte. Als Verlegerin publizierte sie sowohl ihr frühes "Blumenbuch" als auch die beiden "Raupenbücher" und ihr Hauptwerk über die Metamorphose der surinamesischen Schmetterlinge, das sie weithin berühmt machte (Bilder 1 und 3).

Der Forschungsertrag wurde bereits zu ihren Lebzeiten und während des ganzen 18. Jahrhunderts hochgeschätzt. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné (1707 bis 1778) arbeitete bei der Aufstellung seines taxonomischen Systems nach ihren Darstellungen, in einzelnen Fällen möglicherweise sogar nach Insekten, die sie präpariert hatte. Sechs Pflanzen, neun Schmetterlinge und zwei Käfer wurden nach ihr benannt.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts jedoch wurde ihr Werk unversehens scharf kritisiert. Die "Metamorphosis insectorum Surinamensium" war in den Augen des britischen Naturwissenschaftlers Reverend Lansdown Guilding voller Irrtümer, die Illustrationen darin hielt er für grob und wertlos. Mit seinem Vorwurf, dieses Werk habe ein "anthropologisches Flair", kritisierte er Sibylla Merians Interesse an kulturellen Überlieferungen, die mit den von ihr erforschten exotischen Pflanzen und Insekten in der niederländischen Kolonie Surinam verbunden waren. Ihre Arbeitsweise und ihre künstlerische Darstellung mißfielen den Vertretern einer systematisierenden und taxonomischen Biologie und der damit einhergehenden Darstellungskonventionen. Die Herausbildung der modernen Biologie als Naturwissenschaft und das Ende der Naturgeschichte stellen in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine tiefe Zäsur in der Rezeption der Merianschen Forschung dar.

Die Anfänge empirischer Entomologie

Über ihre ersten entomologischen Studien im Kindesalter schrieb Maria Sibylla Merian in der Vorrede zum Hauptwerk "Metamorphosis": "Ich habe mich von Jugend an mit der Erforschung der Insekten beschäftigt. Zunächst begann ich mit Seidenraupen in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main." Die zahlreichen Eintragungen in ihrem Arbeitsjournal – das einzigartige Manuskript mit Beschreibungen und Zeichnungen, das in Sankt Petersburg aufbewahrt wird, ist ebenfalls ausgestellt – lassen erkennen, wie Maria Sibylla Merian vorging. In ihrer Nürnberger Zeit wurde sie in den Gärten und vor den Toren der Stadt fündig: "Alß ich im Anfang July, einmal in meinen Garten (neben der Schloßkirchen oder keyserlichen Schloß-Capell in Nürnberg) so wohl die Blumen zu besehen, alß Raupen zu suchen, hinauf gienge, fand ich sehr viel grünen Morast auf den grünen Blättern der Goldgelben Lillien; da gedachte ich zu finden, wo doch jener Morast herkäme; berührte ihn mit einem Stäblein, der Meinung, alß ob etwan die Blätter faulten: Da fand ich in dem Morast, sehr viel kleine rothe runde thierlein, wie Käfferlein, gantz dicht mit den Köpfen beysammen sitzend, und gantz unbeweglich, wann ich sie schon hart anrührete. Derselbigen nahm ich dann etlich samt den Blättern mit nach Haus, zu untersuchen, was doch darauß werden möchte."

Bisweilen erhielt Sibylla Merian sogar Insekten zugesandt, und keineswegs gelang ihr immer die Aufzucht. Auch eher zufällig konnte sie auf Material für ihre Forschungen stoßen – junge Lerchen zum Beispiel, die sie in ihrer Küche als Speise zubereiten wollte, wurden zu Studienobjekten: "Es wurden mir einmal zu Nürnberg drey junge Lerchen lebendig gebracht den Eilfften Augusti, welche ich getödt, drey stunden darnach, alß ich sie wolte rupfen lassen, da waren siebzehn dicke Maden … an ihnen, wiewohl sie doch gleich von mir zugedekt waren, also daß nichts in dieser Zeit dergleichen zu ihnen kommen konte. Diese Maden hatten keine Füß, und kundten sich doch fest an den federn halten. Den andern Tags veränderten sie sich in dergleichen gantz braune Eyer. Den 26. Augusti kamen so viel schöne grüne und blawe Fliegen herauß, welche ich grosse Mühe hatte zu fangen, dieweil sie so hurtig waren, ich bekame nur 5 darvon, die andern entflohen mir alle."

Eintragungen wie diese verdeutlichen die zeitaufwendige und intensive Arbeitsweise, welche die Grundlage für Sibylla Merians erstes "Raupenbuch" und die folgenden beiden Bände bildete. Ihre empirische Kleinarbeit bestand aus verschiedenen Schritten: Sie sammelte zumeist selbst die Insekten, fand durch Beobachtung heraus, von welcher Pflanze sie sich ernährten, beschaffte die Nahrung, züchtete die kleinen Tiere in Schachteln und verfolgte schließlich aufmerksam ihre verschiedenen Entwicklungsstadien sowie ihr jeweiliges Aussehen und Verhalten darin; auch vergaß sie nicht, den Fundort ihrer Untersuchungsobjekte – also ihren Lebensbereich – zu beschreiben.

Manche Entwicklungen konnte sie nicht bis zur vollen Ausbildung des Schmetterlings verfolgen, da an dessen Stelle Parasiten aus der Puppe schlüpften. Die von ihr beobachteten Metamorphosen der Insekten hielt Maria Sibylla Merian in zeichnerischen Studien auf kleinen Pergamentblättern fest. Die verschiedenen Stadien der Entwicklung stellte sie zunächst in "Verwandlungsreihen" oftmals übereinander, manchmal nebeneinander oder auch weniger geordnet auf dem Pergament dar.


Das "Raupenbuch" und die zeitgenössische Entomologie

In den Jahren 1675 bis 1680 publizierte Maria Sibylla Merian zunächst das "Blumenbuch" – ein Vorlagenbuch, nach dem Frauen der Oberschicht zeichneten und Nadelarbeiten ausführten. Parallel dazu arbeitete sie an ihrem "Raupenbuch", dessen erster Band 1679 in Nürnberg und Frankfurt erscheinen konnte. Er enthielt 50 Tafeln mit unterschiedlichen Schmetterlingen in ihren verschiedenen Stadien vom Ei über Raupe und Puppe bis zum fertig ausgebildeten Insekt, der Imago. Allen Blättern gingen die dargestellten akribischen Einzelschritte voraus. Aus den zeichnerischen Teilstudien komponierte Sibylla Merian ein gestaltetes Bild, auf dem sie die Insekten auf der Pflanze und um sie herum gruppierte. Diese Verbindung von Pflanze und Insektenentwicklung ist eine Besonderheit der Merianschen Darstellung. Bei den Pflanzenmotiven konnte sie ihre künstlerische Erfahrung als Blumenmalerein nutzen; in Verbindung mit den Insekten in ihren Ständen fand sie aber neuartige Bilder und eine Form, mit der sie den geschlossenen Zyklus, die Geschichte des Insekts, vorstellte.

Das "Raupenbuch" stand als Werk über die Entwicklung von Insekten nicht vereinzelt da, doch war es die einzige Publikation einer Frau zu diesem damals noch weitgehend unerforschten Thema. Wenngleich die Seidenraupenzucht, die in China bereits seit Jahrtausenden und in Byzanz seit dem 6. Jahrhundert nach Christus betrieben wurde, eine sorgfältige Beobachtung der Entwicklungsstadien der Tiere und deren Eigenheiten erforderte, wurden die Insekten erst seit dem späten 16. Jahrhundert wissenschaftlich erforscht; entscheidende Erkenntnisse ließen sich sogar erst nach dem Aufkommen genauerer Beobachtungsmethoden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gewinnen.

Bis in diese Zeit erklärte man die Entstehung von Insekten mit einer Urzeugungstheorie. Ihr zufolge sollten die Tiere aus Schlamm und faulenden organischen Stoffen kommen. Erst im Jahre 1668 widerlegte der italienische Arzt Francesco Redi (1628 bis 1698) durch Experimente diese Vorstellung und wies nach, daß sich Insekten aus Eiern entwickeln. Sibylla Merian kannte Redis Versuche wohl nicht, so daß sie in ihrem Vorwort zum ersten "Raupenbuch" feststellte, es sei lediglich die Metamorphose des Seidenspinners bekannt. Hierüber hatte Marcello Malpighi (1628 bis 1694) im Jahre 1669 die Schrift "De Bombyce" herausgebracht, die ihr demnach bekannt gewesen sein mußte.

Einige Jahre vor Sibylla Merians erstem entomologischen Buch – in den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts – war im niederländischen Middelburg das dreibändige Werk "Metamorphosis Naturalis" des Johannes Goedaert erschienen. Dieser Zeichner, Maler und Insektenforscher züchtete wie sie die Tiere selbst. Die religiösen Gedanken und die Bibelzitate in der Einleitung seines Buches lassen erkennen, daß seine Forschungen – wie diejenigen Sibylla Merians – durch seinen Glauben geprägt waren. Sein Werk mit etwa 140 Darstellungen von Insektenmetamorphosen wurde damals als die bedeutendste Publikation zu diesem neuen Forschungsgebiet angesehen. Wie in Sibylla Merians Buch begleitet ein ausführlicher Text die Bildtafeln. Als Vertreter der bis dahin geltenden Urzeugungstheorie stellte Goedaert jedoch keine Eier dar, sondern beschränkte sich auf die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling, wobei er auch nicht immer dessen Puppe darstellte. Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß Goedaert fast nie die Pflanzen abbildete, von denen sich die Insekten ernähren. Sibylla Merian wollte den Lebenszyklus der unterschiedlichen Kerbtiere aufzeigen, war an dem Prozeß in der Natur interessiert – Goedaert wollte eher Spezies unterscheiden.

Einer der bedeutendsten Entomologen dieser Zeit war der Arzt Jan Swammerdam (1637 bis 1680), dessen Werk über die Insekten ebenfalls in den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden erschien. Während Sibylla Merian zwar im ersten Band des "Raupenbuchs" an einer Stelle das in den Niederlanden durch Antoni van Leeuwenhoek (1632 bis 1723) entwickelte Mikroskop als Hilfsmittel erwähnte, bei ihren Arbeiten aber wohl eher eine Lupe verwendete, nutzte Swammerdam die verbesserten Vergrößerungstechniken und erarbeitete sich Methoden zur Sektion von Insekten unter dem Mikroskop. Auch er züchtete und beobachtete diese Kerbtiere selbst, deren Verwandlung sich in seinem Buch jedoch hauptsächlich als Kriterium für ihre Klassifizierung niederschlägt.


Die Reise nach Surinam

In der Einleitung zur "Metamorphosis insectorum Surinamensium" beschrieb Sibylla Merian ihre Beweggründe für die Reise, die für Frauen des 17. Jahrhunderts ungewöhnlich und sehr gefährlich war. Demnach sah sie nach ihrer Übersiedlung von der Labadistengemeinde im westfriesischen Schloß Waltha nach Amsterdam Anfang der neunziger Jahre des 17. Jahrhunderts in den dortigen Sammlungen zwar zahllose exotische Insekten, "aber so, daß ihr Ursprung und ihre Fortpflanzung fehlten, daß heißt, wie sie sich aus Raupen … in Puppen … und so weiter verwandeln. Das alles hat mich dazu angeregt, eine große und teure Reise zu unternehmen und nach Surinam zu fahren …, um dort meine Beobachtungen fortzusetzen. So bin ich dann im Juni des Jahres 1699 dorthin gefahren, um genauere Untersuchungen vorzunehmen. Ich bin bis zum Juni des Jahres 1701 dort geblieben und habe mich dann wieder nach Holland begeben, wo ich am 23. September eintraf."

Sibylla Merian unternahm diese Expedition in die südamerikanische Kolonie der Niederlande ohne Auftrag und ohne männliche Begleitung, sondern gemeinsam mit ihrer jüngeren Tochter Dorothea Maria. Nach der Ankunft lebten die beiden Frauen in Paramaribo, von wo aus sie verschiedene beschwerliche Exkursionen in das Landesinnere unternahmen. Die Reise insgesamt wurde für Sibylla Merian, die damals bereits 52 Jahre alt war, offenbar zur Strapaze: "Ich fand", so schreibt sie in ihrem Vorwort, "in jenem Land nicht die passende Gelegenheit, um die Beobachtungen der Insekten vorzunehmen, die ich mir vorgestellt hatte, da das Klima jenes Landes sehr heiß ist. Die Hitze bekam mir nicht gut, und ich sah mich deshalb gezwungen, früher nach Hause zurückzukehren, als ich gedacht hatte." Dennoch verfolgte sie ihre Forschungen bis kurz vor der Abfahrt des Schiffes und kehrte mit umfangreichem Studienmaterial – Beschreibungen und Zeichnungen sowie präparierten Insekten und Reptilien – nach Amsterdam zurück.


"Metamorphosis insectorum Surinamensium"

Dort beanspruchte die Publikation des Materials bis zum Jahre 1705, dem Erscheinungsjahr der "Metamorphosis", Sibylla Merians ganze Kraft. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten trieb sie die Auswertung ihrer zahlreichen Studien voran, um sie in einem Kupferstichwerk mit 60 Tafeln zu publizieren. Zur Finanzierung warb sie um Subskribenten; auch durch den Verkauf von Tierpräparaten, die sie aus Surinam mitgebracht hatte, versuchte sie die notwendigen Mittel zur Finanzierung des Vorhabens zu erwirtschaften.

Die Vorarbeit für die Publikation verlief in verschiedenen Arbeitsschritten: In Surinam hatte Sibylla Merian einzelne Beobachtungen auf die kleinformatigen Pergamente, die sie in ihrem Studienbuch aufbewahrte, gezeichnet; auch Studien auf größerem Pergamentformat dürften in der südamerikanischen Kolonie entstanden sein. Weitere vorbereitende Zeichnungen scheint die Künstlerin nach präparierten Insekten in Amsterdam verfertigt zu haben. Danach führte sie ihre bildmäßig komponierten Aquarelle aus, die drei von ihr beauftragten Kupferstechern als Vorlage dienten.

Wie es in der Zeit üblich war, gab Sibylla Merian in ihren Texten zu den einzelnen Tafeln die lokalen Namen der Pflanzen in ihrem Buch an. Sie vermittelte Informationen, die sie von der einheimischen Bevölkerung erhalten hatte.

Ihre wissenschaftlichen Praktiken in Surinam entsprachen weitgehend denen ihrer männlichen Forscherkollegen. Ihre Darstellungsformen unterschieden sich jedoch von deren Abbildungen. Auf den Tafeln der "Metamorphosis" stellte sie – wie in den "Raupenbüchern" – die Entwicklung des Insekts als dessen Lebensgeschichte vor. Häufiger als in den früheren Bänden, in denen sie Wiederholungen einzelner Nahrungspflanzen vermeiden wollte und deshalb in freier Wahl Pflanzenmotive ins Bild gesetzt hatte, stellte sie dabei aber Motive zusammen, die nicht zueinander gehören. Sie traf mithin künstlerische Entscheidungen, die von ihren naturkundlichen Beobachtungen abwichen.

In völligem Kontrast zu ihrer künstlerisch-malerischen Bildgestaltung der "Metamorphosis" stand der Darstellungsstil in der "D'Amboinschen Rariteitkamer", einem naturkundlichen Werk von Eberhard Rumpf (1627 bis 1702), an dem sie zur Finanzierung ihres Surinam-Buches mitarbeitete. Dafür mußte sie klassifizierend-systematische Darstellungen ausführen, wie sie für die folgende systematische Periode der Naturwissenschaften zur Abbildungsnorm wurden. Diese Tafeln entsprachen weitaus mehr der modernen Botanik etwa von Joseph Pitton de Tournefort (1656 bis 1708) oder Linné. So gesehen beteiligte sich Maria Sibylla Merian an einem Werk, dessen klassifizierende und systematische Methode ihre ganzheitlich-ökologische Darstellungsweise ablöste. "Natürlich" – so die amerikanische Wissenschaftshistorikerin Londa Schiebinger über die Entwicklung im frühen 18. Jahrhundert – "waren Ordnungsprinzipien notwendig, um die vielen neuen Materialien sinnvoll zu erschließen, die Europa überfluteten. Zwischen 1550 und 1700 vervierfachte sich die Zahl der in Europa bekannten Pflanzen; allein Linné katalogisierte in seiner ‚Species plantarum' 6000 Arten. Die Frage war, welche Form dieser ‚Sinn' annehmen würde."

Die Ausstellung ist entsprechend den Lebensstationen Maria Sibylla Merians, die am 13. Januar 1717 in Amsterdam starb, gegliedert. Ihre Aquarelle, das Studienbuch und die großartigen Kupferstichwerke stehen im Mittelpunkt. Zugleich werden ihre Werke in den kunst- und naturgeschichtlichen Zusammenhang des 17. und frühen 18. Jahrhunderts eingebunden: durch naturkundliche Werke anderer Naturforscher und Künstler, durch Insekten und Blumenstilleben niederländischer Künstlerinnen sowie auch durch Präparate von Schmetterlingen und Reptilien.

Die Ausstellung ist vom 18. Dezember 1997 bis 28. Februar 1998 im Historischen Museum in Frankfurt am Main, Saalgasse 19, zu sehen, und zwar dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und mittwochs von 10 bis 20 Uhr; am 24., 25. und 31. 12. ist geschlossen. Ein Katalog zur Ausstellung mit mehr als 200 Abbildungen ist im Museum erhältlich; die Buchausgabe ist über den Buchhandel zu beziehen.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 12 / 1997, Seite 120
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
12 / 1997

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 12 / 1997

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